Boden und Klima in Daskovka Belarus

Fragenkatalog zur aktuellen Situation vor Ort:

FRAGEN FÜR PLANUNG UND BERECHNUNG
– genaue Position auf der Karte?

Dorf Daschkowka Mogiljower Bezirk Mogiljower Gebiet

Koordinaten: 53.7357898, 30.266377

– gibt es Pläne, Kataster usw?

– wir brauchen Zeichnungen mit den Abmessungen und Flächen der
Parzellen
– gibt es Anbaupläne? Was wurde auf welcher Parzelle bisher angebaut?
– bitte auf den Zeichnungen auch die Position von Bäumen angeben

Haus- und Gartenplan DashkovkaFRAGEN ZUM BODEN
– wurden Bodenproben entnommen? gibt es Resultate dieser Analysen, die
man uns senden könnte (auch mit kritischen Elementen, wie Cäsium
usw.)?

Im Bezirksstadt gibt es ein Labor, wo man die
Bodenanalysen auf Cäsium-137 und Stronzium-90 machen kann.
In diesem Labor kann man auch die Lebensmittel, Beeren, Früchte
abmessen.

Die Resultate der Boden-Analysen vom 10.01.2009 (aus dem
Garten der Familie Barankevich) sind dieser Mail
beigelegt. Es folgt aus dieser Analyse, dass die Menge von Cäsium-137 
147 Becquerel pro Kg ist. (Man hat an der Mutter im Labor
erklärt, dass es die Überschreitung von zulässigen Norme vom
Cäsiumgehalt im Boden ist.

Hier ist es zu erwähnen, dass sich die zulässigen
Normen in Belarus von den zulässigen Normen in anderen
Ländern unterscheiden können.

– gibt es Behörden oder Firmen, welche Bodenproben analysieren können?

Die Bodenanalyse werden vom Staat einmal pro 3 Jahre
durchgeführt. Laut den Resultaten ist das Territorium des Dorfes vom
Cäsium-137 im Wert von 37 bis zu 185 kBq pro Quadratmeter (d.h. von 1 
bis 5 Ci pro Quadratkilometer) verseucht.

– könnte man ein Bodenprofil erstellen – d.h. ein  Loch ca. 1.20 m tief
graben, dann das Profil fotografieren (mit einem aufgeklappten
Metermass) und uns senden?

Wäre es Euch recht, wenn die Familie das Bodenprofil im
Frühling macht? Nach dem starken Frost ist der Boden noch ziemlich
gefroren.

Bodenprofil von Daskovka

FRAGEN ZUR ENTSORGUNG – EXPORT UND DEKONTAMINIERUNG DER BÖDEN
– gibt es öffentliche oder private Deponien, wo man organische Abfälle
abgeben kann?

Die Familie Barankevich wie auch die anderen Familien in
den Dörfern füttern mit den organischen Abfällen das
Vieh und machen Kompost in den Gärten.

Die anorganischen Abfälle werden zur Deponie gebracht.

– gibt es Orte (Staatlich, Regional, Privat), wo man kontaminiertes
Material (organisch und anorganisch) entsorgen kann?

Man wird nicht überprüft, ob die Abfälle kontaminiert
sind, deswegen ist alles wie oben geschrieben entsorgt.     Das Glas und
der Kunststoff werden zur Verarbeitung gebracht.

– gibt es Projekte (Staatlich, Regional, Privat, ausländisch), welche
sich um die Entgiftung der Böden kümmern? auch mit pflanzlichen
Methoden? Kann man mit diesen Projekten Kontakt aufnehmen? Besteht die
Möglichkeit einer Zusammenarbeit?

Das Wissenschaftliche Forschungsinstitut für Radiologie
hat den Komlex von Schutzmaßnahmen für die normative
saubere Erzeugung erarbeitet. Diese Schutzmaßnahmen sind bei der
Führung von der Agrar-Industrie-Erzeugung in den Bedingungen der
radioaktiven Verseuchtung der Boden im Land empfohlen.

Zurzeit sind 1,21 Mill Hektar der landwirtschaftlichen
Boden in der Republik Belarus mit Cäsium-137 verseucht;   351 Tausend
Hektar von denen sind gleichzeitig mit dem Stronzium-90 verseucht.

Die Schutzmaßnahmen sind auch für die privaten
Wirtschaften empfohlen:

–  Ausbringen / Immobilisierung von bestimmten
Düngemitteln,

– die organische Abfälle vom Garten tief vergraben,

– Eintragung von „sauberen“ organischen Abfällen,

– Vieh mit dem „sauberen“ Futter füttern…

Das Problem besteht darin, dass die verseuchten
Territorien in der Tat riesengroß sind, solcherweise ist es sehr
problematisch die „sauberen“ Abfälle und Futter bekommen. Dazu muss man
genau wissen, dass das Material wirklich „sauber“ ist. Die
Analyzen kosten viel, die sind kompliziert zu erledigen. Die Menschen
machen die nicht, wenn es nicht gesetzlich verschrieben
ist.

Noch ein wesetliches Problem ist, dass die Abfälle in
Belarus auf organisch und anorganisch nicht sortiert sind. Nur
das Glad und Kunststoff sind einzeln gesammlt, aber gar nicht streng und
nicht überall.

Mit freundlichen Grüßen,

Irina Pobiagina im Namen von Olga

FRAGEN ZUM IMPORT VON ORGANISCHEM MATERIAL
– gibt es die Möglichkeit, organisches Material (Tierfutter, Heu,
Erntereste usw.) von aussen, d.h. ausserhalb der kontaminierten Zone zu
besorgen?

Informationen über Cäsium 137

Seither steht langlebiges Cäsium 137 (anfänglich auch Cäsium 134) im Vordergrund. Es übertrifft mengenmäßig alle anderen langlebigen Isotope, es ist wasserlöslich und verhält sich wie Kalium. Damit ist es jetzt das haupt-dosisbildende Nuklid und für 95% der Dosisbelastung verantwortlich. Seit dem Unfall ist erst knapp 1 Halb-wertszeit (30,17 Jahre) vergangen, das heißt, es wird  alle cäsiumbelasteten Regionen noch weitere 270 Jahre (insgesamt 10 Halbwertszeiten) beschäftigen.

Cäsium 137 hat aufgrund seiner kurzen physikalischen Halbwertszeit von 30 Jahren – im Vergleich zu den primordialen natürlich vorkommenden Radionukliden Kalium 40 und Uran 238 (HWZ von Kalium 40 beträgt 1,3 Milliarden Jahre, von Uran 238 bei 4,5 Mrd. Jahre)  eine unvorstellbar hohe Radiotoxizität, die jede Art von chemischer Toxizität in den Schatten stellt. Die letale Dosis bei Verschlucken dieser Substanz liegt bei nur 119µg. Da es wasserlöslich ist und sich ähnlich wie das lebensnotwendige Kalium verhält, verteilt es sich im ganzen Körper, vor allem in jenen Organen, die viel Kalium enthalten (Muskulatur, bes. Herzmuskel). Nur 700 g Cäsium 137 – als Gas oder Rauch verflüchtigt- würde  die Fläche des gesamten Bezirkes Landeck (1595 km²) für ca. 11 Generationen ( 300 Jahre) lang zur Sperrzone machen.

Fragen zum Klima:

– gibt es Klimaprofile von der Region dort?

– wieviel Niederschläge gibt es im Jahr, wie sind sie über die Monate verteilt?

– wie sind die Durchschnittstemperaturen max – min?

Unter dem Link http://w-weather.com/Belarus/Mogilev/monthly/

könnt Ihr die Angaben für die Temperaturen, sonnigen Tage, Niederschläge sehen. Selbstverständlich ist jedes Jahr um einiges anders als das Vorherige. Es kann gut sein, dass der ganze Sommer regnerisch ist (außer paar Wochen), oder auch trocken und heiß. Aber allgemein stimmen die Daten unter diesem Link. 

– wann ist Pflanzzeit – Erntezeit?

Falls der Frühling frühzeitig und warm ist, wird man am Ende April / Anfang Mai gepflanzt. Falls der Frühling kalt ist, pflanzt man erst im Mai. Man erntet vom Juli bis zu Ende September. 

Fragen zum Wasser:

– wird Regenwasser gesammelt? wofür wird es benutzt?

Das Regenwasser wird in die großen Fässer gesammelt. Das gesammelte Regenwasser reicht grundsätzlich für die Pflanzen im Treibhaus. 

– wie wird der Garten, Blumen usw. bewässert?

Der Garten wird in der Regel nicht zusätzlich zu dem Regen bewässert. 

– reicht der Regen?

Falls der Sommer nicht zu heiß und zu dürr ist, reicht der Regen. 

– wird mit  Brunnenwasser oder Grundwasser bewässert?

Die Familie Barankevich hat keinen Brunnen, sie haben zentrale Wasserleitung. Mit dem Leitungswasser werden die Pflanzen nur in den extremen Fällen bewässert. 

Wichtigste Fragen zum Wasser:

– ist das Regenwasser sauber, oder auch noch kontaminiert?

– gleiche Fragen fürs Grundwasser und Trinkwasser, sind diese sauber oder kontaminiert?

Es gibt keine Informationen zu dem Regenwasser und Grundwasser. Es wird nicht kontrolliert / analysiert. Frau Barankevich wird klären, ob es möglich ist, die entsprechenden Analysen zu unternehmen. 

Das Trinkwasser wird kontrolliert. Im Jahr 2017 haben die Wasserproben keine Erhöhung von Strontium und Cäsium gezeigt. In 2018 sind keine Wasserproben entnommen worden. Im ganzen Bezirk sind die Eisenwerte im Leitungswasser sehr hoch, deswegen nutzen die Einwohner (die Familie Barankevich auch) zusätzliche Wasserfilter für das ganze Wasser, das ins Haus ankommt. Außerdem benutzt man noch zusätzliche Filter für die Nahrungszubereitung. Für die kleinen Kinder kauft man das Flaschenwasser. 

Fragen zum Treibhaus:

– was wird darin kultiviert? 

Nur die Tomaten und süße Paprika. Alles andere wird auf dem Freiland gepflanzt. 

Salat? auf dem Speiseplan habe ich Salate vermisst (Aus Versehen ist Salat in der Liste der Pflanzen vergessen worden.) Salat wird auch auf dem Freiland gepflanzt. Aus Kräutern pflanzt man Petersilie, Dill. Besonders stark speichern Cäsium süße Paprika, Kohl, Kartoffel, rote Bete. Aber gerade diese Speisen (Kartoffel, Kohl, Rüben) werden in unserem Land traditionell viel gegessen. 

Salat und Kräuter speichern auch Cäsium, aber nicht so intensiv, noch wenigen die Gurken, Tomaten, Mohrrübe. 

– kennt man in Dashkovka die Technik der Hochbeete?

Die Technik der Hochbeete ist bei uns nicht genutzt. Selten werden die Blumen als Dekoration in dieser Technik gepflanzt.

Bodenprofil Dashkovka





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