Menschlichkeitswandel

Auf dem Titelbild sieht man meine Freunde in Kongo Bazanga, einem Dorf nahe Alindao, damals 2004. Wo sind diese Menschen geblieben?

Und wo ist diese Familie in Elim geblieben? (Foto gelöscht) Sind sie überhaupt noch am Leben? Oder wurden auch sie gezwungen als Kindersoldaten zu kämpfen?

(Foto gelöscht, weil ich gehört habe, dass eine Frau, die auf diesem Foto abgebildet war ermordet wurde, als sie auf dem Weg zu ihrem Garten war. Sie war im sechsten Monat schwanger)

Ich habe keine Ahnung, wie es unseren Freunden geht? Meine Gedanken beginnen zu kreisen und schweifen ab. Ich kann nicht schlafen und beginne zu schreiben…


Alles spricht vom Klimawandel und dass die Erde bzw. die Menschen, die darauf leben in Gefahr sind.

Aber ist es nicht in Wirklichkeit der Menschlichkeitswandel, welcher die Menschheit bedroht? Wenn es so weitergeht, wird dieser den Klimawandel noch überholen.


Ich frage mich: warum ist hier Frieden nicht möglich? Gibt es eine «hidden agenda» für Afrika – eine versteckte Agenda? Gibt es Mächte, welche an einer instabilen Lage des Landes interessiert sind? Ja, ganz offensichtlich!

Vor allem die Kriegsherren, aber auch östlichen Grossmächte, welche in Afrika zwar grosse Infrastrukturprojekte verwirklichen, jedoch anderseits sich weite Ländereien aneignen und ungehindert die reichen Bodenschätze abbauen bzw. ausrauben, ohne irgendwelche humanitäre Regeln oder arbeitsrechtliche Vorschriften einhalten zu müssen.

Es gibt offensichtlich einflussreiche Führungspersönlichkeiten, welche durch ihre Untätigkeit für sich persönliche Vorteile erarbeitet haben.

Weshalb ist es sonst unmöglich, die verschiedenen Rebellengruppen in der RCA durch die, im Lande stationierten UNO-Truppen in Schach zu halten? Wieso ist es nicht möglich, endlich die vielen Rebellenführer und Kriegsherren dingfest zu machen und vor ein Gericht zu bringen, wo sie für ihre Gräueltaten zur Rechenschaft gezogen werden?

Im Gegenteil, in Khartum, der Sudanesischen Hauptstadt wurde 2019 ein sogenannter Friedensvertrag ausgehandelt, bei dem diese Kriegsherren nicht etwa verfolgt und verhaftet werden sollen, sondern neu als beratende Funktionäre der Regierung tätig sind, oder sogar als Minister eingesetzt wurden.


Problematisch ist es auch für die muslimisch-animistischen Fulani Tierhalter, welche vom so genannten Midle Belt her ins Zentrum von Afrika vorstossen. Sie werden getrieben vom Sahel, welcher bedingt durch den Klimawandel immer weniger Nahrung für die Menschen und Futter für die Tiere hergibt.

Jahrzehnte lang haben wir auch diesen Menschen, welche zu uns in die RCA gekommen sind durch die Projektarbeit geholfen, ihre Lebensgrundlage zu verbessern.

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Eine der Mbororo-Basisgruppen hat das CFAE-Diplom erhalten. Sie sind nun Dorfanimateure

Sie haben sich gut im Lande integriert und sind nun auch massiv unter Druck geraten. Einerseits durch die Söldner aus dem Norden, welche sie als Verräter sehen und anderseits durch die einheimischen Widerstandskämpfer, welche sie als die Brüder ihrer Feinde sehen. Ihnen wurden die Herden gestohlen, so dass viele von ihnen akut vom Hungertod bedroht sind.

Es sind vor allem fremde Söldner, welche aus dem Norden und Osten kommen. Sie dringen  ins Land ein und vertreiben die einheimische Bevölkerung.

Gemäss Bericht von Open Doors hat sich die Zentralafrikanische Republik bei den 50 Ländern, wo Christen verfolgt werden von Platz 35 im letzten Jahr, dieses Jahr 2019 auf Platz 21 verschlechtert.

Fakt ist, dass in Alindao, unserer Projektstadt im östlichen Zentrum des Landes, wo die Bewohner vertrieben wurden – auch heute noch, trotz Friedensabkommen – immer noch fremde Menschen in ihren Häusern wohnen. Sie kennen die einheimische Sprache Sango nicht.

Diejenigen Einheimischen, welche zurückgeblieben sind, leben sehr gefährlich in zwei Flüchtlingslagern und werden von Uno-Blauhelmen beschützt und versorgt. Sie dürfen sich weder in der Stadt frei bewegen, noch ihre Felder bestellen.

Anfangs dieses Jahres wurde einer unserer treusten Mitarbeiter, Maturin in einem Hinterhalt in der Nähe unserer ehemaligen Projektstation ermordet.

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Projektstation Alindao im Jahre 1997

Der letzte Bericht über unsere Projektstation Alindao ist niederschmetternd – es waren nur wenige Worte: ausgeraubt, verlassen, komplett zerstört!

Und Fakt ist auch, dass der Anteil an muslimischen Einwanderern stetig steigt. Auffallend ist hier die Steigerung von 5 auf 13% in nur zehn Jahren.

Die religiösen Führer des Landes, der Kardinal der Katholiken, Der Leiter der protestantischen, freikirchlichen Bewegung und der Imam der Muslime, bemühen sich sehr um Frieden und Versöhnung. Dies scheint mit der einheimischen, mehrheitlich christlichen Bevölkerung eigentlich möglich.

Aber trotz aller Bemühungen und Friedensverträge hören die Konflikte nicht wirklich auf. Diejenigen, die den Frieden wollen sind schon längstens geflüchtet – als erstes in den Busch, wo sie von Gras und Blättern leben müssen und dann weiter.

Gemäss Bericht von UNHCR sind 2019 immer noch 1.2 Millionen Flüchtlingen auf der Flucht. Sie sind entweder ins nahe Ausland geflohen, oder mussten sich im Landesinnern in Sicherheit bringen, genauso, wie unsere Freunde in Sabongo.

Obwohl es sich hier um eine grosse humanitäre Katastrophe handelt, gibt es in den westlichen Medien kaum jemand, der über diese himmelschreiende Not berichtet.

So möchte ich in diesem Blog und in den folgenden Fotostories diesen «vergessenen» Menschen eine Stimme und ein Gesicht geben. Liebe Freunde in Zentralafrika, ihr seid nicht vergessen!


Links zu Fotostories: Dorfleben und: Rising Sun in Africa


Was ich sicher weiss ist, auch wenn ich sehr wenig von ihnen höre, dass unsere Freunde und Projektmitarbeiter in Sabongo weiterhin dran sind, sich eine neue Lebensgrundlage zu schaffen und denjenigen helfen, welche auch auf ihrer Flucht bei ihnen eingetroffen sind.

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Jean De Dieu unterrichtet in Kursen, wie die Flüchtlinge sich selber genügend gesunde Nahrungsmittel anbauen können

Und die Moral der Geschichte?

Um den Klimawandel aufzuhalten, gibt es viele Vorschläge und Rezepte. Was tun jedoch, um dem Menschlichkeitswandel entgegenzuwirken?

Was tun, wenn es auf der Welt immer mehr „Gegeneinander“ als „Miteinander“ gibt?

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Die ganze Equipe von Sabongo. Die Moniteure, Dorfanimateure und die neue Basisgruppe von Sabongo – inklusive Baminga (Pygmäen)

Ja, genau unsere Freunde in Sabongo leben dies:

kode na beoko – Wissen und Gemeinschaft – maboko na maboko – Hand in Hand

Sie schöpfen Kraft und Hoffnung aus ihrem Glauben an Jesus Christus und werden von seinem Evangelium inspiriert, durch Vergebung und Versöhnung den Teufelskreis von Gewalt und Rache zu durchbrechen.

So gibt es zum Glück doch ein Mittel zum Guten beim Menschlichkeitswandel!

No news – good news?

Ein Beitrag zum Gedenken an Mathieu Ndagbia, welcher am 1. August 2018 bei einem Überfall der Rebellen in Alindao ums Leben kam.

Mit dem Spruch „No news – good news“ versucht man sich normalerweise zu trösten, wenn keine Nachricht kommt. Wir warteten schon seit langem auf Neuigkeiten aus der RCA, welche immer spärlicher und magerer kommen.

So wollte ich euch, liebe Blogleser zwischendurch einen Bericht über den Moringabaum schreiben, den wir in Sabongo kultivieren und testen (siehe Titelbild – der Moringabaum welcher Kursteilnehmern vorgestellt wird).

Ich wollte euch über die neuen Möglichkeiten schreiben, die wir mit diesem Wunderbaum bei der Verbesserung der Ernährungsgrundlage haben und über das Interesse der Kursteilnehmer an unseren Techniken.

Aber mir ist gar nicht mehr zum Schreiben zumute nach der Meldung vom Tod von Maturin, einem unseren besten und treusten Mitarbeiter aus Alindao.

Mathieu Ndagbia
Mathieu (Maturin) Ndabgia

Mathieu, oder Maturin, wie wir ihn alle nannten war ein Mann der ersten Stunde. Immer zuverlässig und treu. Er war zudem im letzten Jahr auch für den Unterhalt des Flugplatzes in Alindao zuständig, auf welchem die UNO-Flugzeuge landen, um Hilfsgüter für die Flüchtlingslager zu  transportieren.

Er war mit dem Motorrad dorthin unterwegs, als er in einen Hinterhalt geriet und umgebracht wurde.

Er und seine Familie leben schon seit über einem Jahr in einem Flüchtlingslager in Alindao, wo sie von der UNO ernährt und deren Blauhelme beschützt werden. Sie können sich nicht frei in der Stadt bewegen, geschweige denn auf die Felder gehen, um diese zu bestellen.

Der Weg zum Flugplatz führt direkt an unserer Projektstation in Alindao vorbei und sich nun vorzustellen, dass Maturin somit ganz in der Nähe seines und unseres langjährigen Wirkungsfeldes ums Leben gekommen ist, erschüttert mich.

Unsere Station – oder was davon noch übriggeblieben ist, nachdem sie geplündert, ausgeraubt und der Wellbleche entledigt wurde – auf unserer Station erlebten wir, auch zusammen mit Maturin und seiner Familie die glücklichsten und erfolgreichsten Zeiten in unserer Projektzeit.

Unsere Kinder und seine Kinder spielten fröhlich von unseren Häusern und wuchsen miteinander auf (siehe hierzu diesen Film in Erinnerung an Mathieu Ndagbia und seine Familie in Alindao – Souvenirs aus Alindao. Dauer ca. 3 Min.)

Inmitten der vielen Fruchtbäume auf unserer Station wuchs auch der Moringabaum heran. Eine viel versprechende Möglichkeit, die Ernährungsgrundlage der Menschen in Zentralafrika zu verbessern.

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Hier zusammen mit Jean De Dieu beim Besuch 2004 vor unserem Haus in Alindao

Aber was will ich da von Verbesserung der Lebensgrundlage schreiben, wenn nicht einmal das simple Überleben gewährleistet ist.

Als ich vor fast zwei Jahren mit dem Blogschreiben begann, habe ich mir das total anders vorgestellt. Ich wollte über freudige Begegnungen und spannende Reiseerlebnisse schreiben. Nun schreibe ich traurige Schicksalsberichte.

Aber ich schreibe auch diese –  weil ich weiss, dass es unter euch viele gibt, welche unsere afrikanischen Freunde und Geschwister auch auf dem Herzen haben und welche mittragen und mitbeten.

Von ihnen, von meinen afrikanischen Freunden, habe ich gelernt die Hoffnung nie aufzugeben… (siehe hierzu folgenden Blogbeitrag, welcher bei meiner Reise im März dieses Jahres entstand).

So wünschen wir Julienne mit ihren Kindern und Kindeskindern viel Trost, Kraft und Gottes Versorgung.

In herzlicher Anteilnahme Toni und Silvana mit Michael, David und Carlo

Schon der zweite Kurs

Titelbild: Saat in Linie – Kursthema des zweiten Kurses in Sabongo.

Ja, auch ich habe lange gewartet.

Ich wurde schon fast ungeduldig, obwohl Jean De Dieu mir am Telefon immer wieder beteuerte, wie gut der erste Kurs YAKA 1 und AGF 1 gelaufen sei und dass der Zweite YAKA2 und AGF2 kurz bevorsteht.

Aber die Fotos und Berichte fehlten, so dass ich mir schlecht ein Bild über das Geschehen machen konnte. So beschäftigte ich mich in der Zwischenzeit vor allem mit den Erzählungen und der Berichterstattung über die schwierige Situation in Bangui und der Provinz Alindao.

In Bangui gabs erneute Übergriffe mit vielen Toten, so dass Jean De Dieu sein Motorrad zu Hause lassen musste, damit er unterwegs nicht angehalten und ausgeraubt wurde. Auch das Verwaltungszentrum der Projekte befindet sich in einer sehr kritischen Zone in Bangui, so dass es nachvollziehbar ist, weshalb die versprochenen Bilder und Berichte nicht, wie versprochen gesendet werden konnte.

Nun sind sie auf einmal alle hereingekommen. Ich bin total erfreut über das, was ich zu sehen bekam – und möchte dies euch, liebe Freunde, nicht vorenthalten.

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Stolz zeigt ein Kursteilnehmer den Script des Kurses YAKA2 und AGF2 vor.

In diesem Kurs geht es um die optimale Nutzung des Bodens, sowohl oberhalb, als auch unterhalb des Bodens. Verschiedene Pflanztechniken und die Kombination von mehreren traditionellen Kulturen, wie Maniok, Mais und Erdnuss werden erlernt.

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Perfekte Saat in Linie – kota YAKA – ein Feld von einem unserer Dorfanimateure damals in Alindao, genau nach unseren Plänen (unten) angebaut (zum Vergrössern aufs Bild klicken)

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Neben der Theorie im Kühlen gibt es viel Praxis
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Diese ist viel wichtiger, weil es v.a. unter den Pygmäen viele Analphabeten gibt
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Frauen füllen während der AGF-Ausbildung (Agroforesterie) Pflanzsäcke mit Erde
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Der Kurs mit insgesamt 15 Teilnehmern (9 Männer und 6 Frauen) dauert 9 Tage. Hier das detaillierte Programm (zum Vergrössern aufs Bild klicken)

Hinweis: die grün eingefärbten Textteile sind Links. Mit Klick auf diese kommst du auf die bezeichnete Seite.

Der kleine Toni

Nach den letzten, eher traurigen Berichten, gibt’s nun wieder einmal etwas sehr Erfreuliches zu erzählen.

In Sabongo ist ein Pygmäenbaby zur Welt gekommen (Titelbild) und hat den, für diese Bevölkerungsgruppe eher ungewöhnlichen Namen «Toni» erhalten. Dies wurde mir voller Freude aus Bangui berichtet.

Total überrascht und erfreut las ich die Erklärungen zu den Bildern, die ich über Messenger erhielt.

So freue ich mich auch mit meinen Freunden über das neue, solide Haus, welches aus dem «Fonds Toni» erbaut werden konnte. Dieser Fond stammt übrigens aus den spontan zugesteckten Spenden kurz vor meiner Abreise, weshalb ich dieses Dankeschön sehr gerne auf diesem Weg weiterleite.

Pygmäen vor neuem Haus
Frisch erbautes Haus mit Dach und Tür und allem was dazugehört
Fabrikation von Briques
Die Ziegel für das neue Haus wurden selber mit der Lehmpresse hergestellt
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So sah die Wohnsituation vorher aus – es ist März, kurz vor der Regenzeit

Eigentlich erwarte ich immer noch die Bilder vom ersten Kurs, von welchem ich nur weiss, dass er sehr erfolgreich und zur Freude aller durchgeführt wurde.

Nun, diese Bilder begeistern mich nicht minder und zeigen mir wieder einmal, wie Tod und Leben in Afrika sehr nahe beieinander liegen.

Für die Menschen dort gehört es zum Leben, Verluste zu akzeptieren und loszulassen, dann jedoch mit viel Gottvertrauen das Gute zu erhoffen.

Umso grösser ist dann natürlich die Freude auf das grosse Geschenk eines neuen, kleinen Familienmitglieds – und wenn es dann auch noch Toni heisst😉

Das stärkt natürlich die Verbundenheit enorm. Es war eigentlich Liebe auf den ersten Blick. Schon die erste Begegnung war sehr freundlich und unsere Herzen haben sich auf Anhieb gefunden. Hier die Begrüssung in der Sprache der Pygmäen.

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Von den Jungs erhalte ich ein Zuspiel…
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…dort ist das Tor

Dann die Verabschiedung… Kinder, Kinder:-)

 

Zum Gedenken an Baba Enoch

Baba Enoch und seine Frau Agathe konnte ich am letzten Tag meiner Afrikareise in Bangui noch besuchen. Dies war mir sehr wichtig. Kannten wir uns doch schon seit den Anfangszeiten unseres Projektes in Alindao.

Die Nachricht von seinem Tod erreichte uns nun in dem Moment, wo ich mich intensiv mit den frischen Erlebnissen und der Vergangenheit in Afrika beschäftigte. Enoch und seine Familie haben uns immer sehr unterstützt und so ist in all den Jahren eine grosse Verbundenheit entstanden.

So will ich ihm und seiner Familie in Dankbarkeit und in grosser Anteilnahme diesen Beitrag widmen. Fotos, welche an die liebenswerte Art von Enoch erinnern.

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Beim Abschied 2004 gab mir Enoch Briefe mit in die Schweiz
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Hier zusammen mit Jean De Dieu in seinem Kornspeicher in Alindao
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Zu Besuch bei Tagbas in Bangui

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Nephtalie, die Urenkelin von Enoch, sang uns ein Lied vor, das sie im Kindergarten gelernt hatte: Unité Dignité Travail – die Nationalhymne der RCA

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Balao baba Enoch mo gue na yayou awe. Fade Nzapa bata sewa ti mo!

Rückblende

Bin ich sentimental? Werde ich alt? Oder bin ich gerade in einer Phase der Vergangenheitsbewältigung?

Bitte, liebe Freunde, das müsst ihr mir zugestehen. Ich bin nun seit mehr als einem Jahr pensioniert und da hat man des Öfteren mal Zeit, über das Vergangene nachzudenken.

Es ist ein Versuch die Eindrücke meines letzten Besuchs zu verarbeiten – also, ist es eher eine Gegenwartsbewältigung, verknüpft an das Vergangene…

An das Gute denken, das hinter uns liegt – und auf das Gute hoffen, das kommen wird!

Vor allem in das, wo das Herzblut hineingeflossen ist, liegt einem doch sehr am Herzen und man wirft dann schon ein besonderes Augenmerk darauf, was mit diesem und jenem geworden ist. Besonders nach dem letzten, sehr eindrücklichen Besuch bei meinen Freunden in der RCA.

Wie alles begann: 1987

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Mein erster Beruf als Bauzeichner war bei der Planung der Station sehr hilfreich (zum Vergrössern auf die Bilder klicken)
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Luftaufnahme während der Bauphase 1987-88. Die Dächer werden mit Wellblech gedeckt

Auch wenn ein Überflug heute ein ähnliches Bild abgeben würde, wie vor mehr als 30 Jahren, so bleiben doch diese Bilder in Erinnerung.

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Unsere Station mit 42 ha Versuchs- und Demofeldern in voller Blüte (zum Vergrössern auf Bilder klicken)
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im Bildausschnitt sieht man in der Bildmitte links eine Basisgruppe während einem Kurs

Und wenn wir die Station ein weiteres Mal einrichten und decken müssen – dann wird es auch wieder Menschen geben, welche zu uns in die Ausbildung kommen.

Damit wir ihnen Wissen weitergeben können und Hoffnung in ihre Herzen säen.

Momentan findet der erste Basiskurs YAKA 1 in Sabongo, in der Nähe von Bangui statt.

Hinweis: die grün eingefärbten Textteile sind Links. Mit Klick auf diese kommst du auf die bezeichnete Seite.

Komm mit auf einen nostalgischen Rundflug über unsere damalige Projektstation in Alindao:

Ob gemächlich mit der Piroque…

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Toni mit Carlo David Michael auf Töff

oder vollgas mit dem Töff – wir bleiben unterwegs – nie stehen bleiben!

Hier kannst du, wenn du magst, auch noch die Fotostory „von der Vision bis zur Verwirklichung – und dann?“ anschauen.

30 Jahre Jubiläum

Titelfoto: v.l.n.r Jean De Dieu Kolipou, aktueller Projektleiter in Sabongo, David Mbolonga ehemaliger Chef Moniteur, rechts neben mir Samuel Tagba, ehemaliger Chef Baumschulen.Es gibt nur ein kurzes Innehalten und ein Festhalten an dem was vor 30 Jahren, weit weg in Alindao begann. Uns ist nicht zum Feiern zumute – ist doch unser Zentrum schon seit einiger Zeit menschenleer und ausgeraubt.Wir stehen inmitten von Samuels Maniokfeld in Bossongo. Der Mais konnte schon abgeerntet werden. Samuel musste nun schon zum zweiten Mal mit seiner Familie flüchteten. Seine Häuser, seine Obstbäume, seine Existenz in Alindao wurde von den Rebellen mutwillig zerstört.Auch auf unserer Station in Alindao werden aktuell die Wellblechdächer entfernt. Es sind Leute aus den Flüchtlingslagern in Alindao am Werk, welche nachts kommen, das Aluminium stehlen und dann zu Kochtöpfen verarbeiten… dies sind die allerneusten News…

30 Jahre Jubiläum CFAE
Unser ehemaliges Schulungszentrum in Alindao

Centre détruit 2018Liebe FreundeIch denke ihr habt es vielleicht bemerkt – ich tue mich im Moment enorm schwer mit der Berichterstattung meiner Afrikareise. So fasse ich die Tage 6 und 7 zusammen.Es waren denn auch die wichtigsten meines Besuches. Es ging darum in einer Recyclage (Erfahrungsaustausch) alle, in Bangui anwesenden ex-Moniteure und Dorfanimateure zusammen zu nehmen um zu erfahren, wie es ihnen in dieser schwierigen Zeit ergangen ist.Viele fanden bei Verwandten in- und um Bangui Unterschlupf. Sie erhielten ein Stück Land, wo sie für den Lebensunterhalt ihrer Familien Gärten anlegen konnten.

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Das Maniokfeld von Samuel in Bossongo

Dabei erzählten sie, wie ihnen die, im damaligen CFAE (Centre de Formation Agricole Elim) erlernten Techniken nun zu Gute kommen.

Wie schon im letzten Bericht «I have a dream» geschrieben, war ich sehr berührt von ihren Erzählungen und ihrer positiven Grundeinstellung – trotz der schwierigen Situation.Am Tag 7 besuchten wir die Pygmäen und unsere neue Projektstation in Sabongo.

Das Fazit dieses Kurses, meines Besuches – und eigentlich meines ganzen Einsatzes in Zentralafrika kann ich schlussendlich wie folgt zusammenfassen:

„Auch wenn Haus und Hof, Hab und Gut geraubt werden – was in die Herzen gesät ist, kann niemand rauben“!

OLYMPUS DIGITAL CAMERAKODE NA BEOKO – MABOKO NA MABOKOWISSEN UND GEMEINSCHAFT – HAND IN HAND (unser Titelslogan)

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Eine neue Generation wird heranwachsen
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Ein Riesen-Urwaldbaum in Bossongo, wo der Blitz eingeschlagen hat und ein neuer Trieb herausgewachsen ist – das ist die Hoffnung für die RCA!

Das tröstet mich – eigentlich war ich gekommen, um sie zu ermutigen und zu trösten – nun trösten sie mich!

Jubiläumsfoto alle winken zum Vergrössern aufs Bild klicken

Hinweis: die grün eingefärbten Textteile sind Links. Mit Klick auf diese kommst du auf die bezeichnete Seite.

Tag 5: Schwitzen, Networking und Social Media

Meine Freunde in der RCA sind eigentlich an die Hitze gewöhnt und müssen deshalb viel weniger schwitzen, als unsereins.

Heute jedoch kamen Jean De Dieu und unsere Mitarbeiter von der Projektverwaltung für einmal gehörig ins Schwitzen. Es galt die Kasse und die Buchhaltung zu kontrollieren.

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Normalerweise bin ich sehr zuvorkommend und behandle meine Freunde mit viel Nachsicht und Respekt. Heute mussten sie jedoch für jede bohrende und pingelige Frage eine Antwort haben und die Belege vorweisen. Wir kontrollierten die Ausgaben im Zusammenhang mit dem Budget und verlangten für jeden Betrag die betreffenden Belege.

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Es gab jeweils bei den Anfragen ein Gewuschel und Gewimsel in den Papierdossiers und prompt – mit erleichtertem Lächeln präsentierten sie uns dann ein Dokument nach dem Andern.

Die Buchhaltung wird schon mit Laptop und angepasstem Logiciel geführt, alles andere ist jedoch fein säuberlich in Papierdossiers zusammengeklammert.

So war ich sehr erfreut und erleichtert, dass praktisch alles – bis an einige Details, welche jedoch bereinigt werden konnten – haargenau und sogar recht professionell geführt wurde.

Dies ist auch sehr wichtig. So kam ich – neben den lobenden Worten – nicht darum herum, ihnen ein weiteres mal eindringlich zu erklären, wie wichtig eine getreue und korrekte Verwaltung der Finanzen ist – vor allem im Blick auf unsere treuen Spender, welche mit Herz unsere Projekte unterstützen.

Zyklus im Projektmanagement
Unser Projektmanagement in einem Zyklus zusammengefasst (zum Vergrössern aufs Bild klicken)

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Am Nachmittag gabs dann ein Novum im Konferenzraum des zweistöckigen Verwaltungsgebäudes in Bangui Mboko, dem Hauptsitz der einheimischen Union.

Nicht nur die, um diese Tageszeit sehr heiss scheinende Sonne brachte mich ins Schwitzen, sondern auch das sehr langsame Internet. Ich musste schon während den Vorbereitungen unsere Projekt Webseite abspecken und schlanker gestalten. Von 3 oder 4G kann man da nur träumen.

Header Agri Bangui
Mit Klick auf dieses Banner kommst du auf unsere Projekt Webseite

So konnte ich doch schlussendlich meine Freunde an den Errungenschaften unserer Zeit, dem Internet teilhaben lassen. Es gibt inzwischen viele Benutzer in der RCA, vor allem in Bangui, welche fast alle einen Facebook-Account haben. Für diese ist unsere Projekt Webseite in erster Linie gedacht, so dass für sie sämtliche Techniken und Erfahrungen unseres Projektes zugänglich und abrufbar sind. Ich zeigte ihnen die Möglichkeiten, aber auch die Gefahren von Facebook und Internet.

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Startseite von unserem Facebook Projektacount (mit Klick aufs Bild kommst du auf unseren Account)

Der aktuelle Stand (April 2018) unserer Likes und Abos

Likes und Abos

Und hier die Ergebnisse von einigen Promotions bei Facebook: Zwischen 5’000 und 25’000 Personen konnten wir nur schon in der RCA erreichen, welche dadurch mit einem Link-Klick auf unsere Webseite gelangten.

Facebook promotions
Mit Klick auf das Bild kannst du es vergrössern

I had a dream

«Ich habe einen Traum! Im Wissen, dass die Welt zu Ende geht, pflanze ich gleichwohl heute einen Fruchtbaum mit der Hoffnung und dem Glauben, dass unsere Kinder eines Tages seine Früchte essen werden».

(Ein Mix von Zitaten von Martin Luther King, Marin Luther, dem Reformator und von Franz von Assisi)

Bäumchen pflanzen

Ich schrieb diesen Artikel 2018 zum Gedenken an Martin Luther King (50. Todestag) und die, über eine Million Flüchtlinge in der RCA, welche gezwungen waren ihr zu Hause und ihre Felder zu verlassen und welche eine neue Existenz aufbauen mussten.

Meine Freunde in der RCA habe ich damals im März 2018 gefunden und besucht. Sie gehörten auch zu den Flüchtlingen, welche schon zum zweiten Mal ihr zu Hause und ihre Felder verlassen und nun hier in Sabongo eine neue Existenz aufbauen mussten. Es sind diejenigen, welche nicht den Krieg wollen. Es sind die, welche den Frieden suchen.

Ich zeige euch das eindrückliche Beispiel von Jean Takata. Er musste zusammen mit seiner Frau und seinen 4 Kindern vor den Kämpfen in seiner Region im Zentrum des Landes flüchten.

Er fand in Sabongo Unterschlupf. Gleich, wie vielen anderen Flüchtlingen, wurde auch ihm in grosszügiger Weise ein Terrain zur Verfügung gestellt, wo er sein Haus erstellen konnte.

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Jean ist einer von unseren Dorfanimateuren, welcher im Jahre 1995 bei uns in Alindao das Diplom erhalten hatte. Auch wenn ihm der ganze Besitz geraubt wurde – all das, was er gelernt hatte und im Herzen trägt, konnte ihm niemand weg nehmen.

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Jean De Dieu begutachtet ein junges frisch gepflanztes Mangobäumchen – im Hintergrund drei Moringabäume

Sofort hat er begonnen die erlernten Techniken anzuwenden, pflanzte Bäume, legte eine Ananasplantage an und richtete den Maniok genau wie gelernt in Linien aus.

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Auf diese Weise kann er nicht nur seine sechsköpfige Familie ernähren, sondern verdient auch schon mit dem Verkauf von den Ananasfrüchten auf dem Markt in Bangui etwas Geld.

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Und das brauchte er unbedingt, will er sein Haus noch fertig bauen. Er musste noch Türen und Fenster kaufen – eine Küche einrichten.

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Immer wieder, wenn ich dieses Bild anschaue bin ich zu tiefst erschüttert. Ich bin überwältigt von der Bescheidenheit dieser Menschen. Da ist keine Bitterkeit, kein Hass – nur Hoffnung und Zuversicht.

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Jean Takata zusammen mit seiner Frau und seinen vier Kindern. Rechts sitzend Jean De Dieu Kolipou, der Projektleiter in Sabongo.

Jean hat eindeutig den 1. Preis verdient. Jedes Mal, bei meinen RCA-Besuchen, wurde ein Dorfanimateur oder Animateurin, welcher in besonderem Masse unsere Techniken angewendet und verbreitet hat mit einem grosszügigen Preis prämiert.

Jean Takata und einige andere ehemalige Moniteure von unserem Projekt (Jean De Dieu, Samuel und David), welche auch nach Bangui flüchten mussten, starteten im April 2018 das Kursprogramm unseres neuen Projektes.

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Die ganze Equipe von Sabongo. Die Moniteure, Dorfanimateure und die neue Basisgruppe von Sabongo – inklusive Baminga (Pygmäen). Wie immer – maboko na maboko – Hand in Hand. (zum Vergrössern aufs Bild klicken)

Der erste Kurs YAKA 1 und auch alle weiteren Kurse wurden dann 2018/2019 nach dem Programm des altehrwürdigen CFAE (Centre de Formation Agricole Elim) durchgeführt.

Im November 2019 konnten dann viele Diplome an die erfolgreichen Kursteilnehmer und Teilnehmerinnen überreicht werden. Sie werden im März 2020 ausgesendet, ihr Wissen an die Bevölkerung weiterzugeben.

Dieses Projekt findet nun heute am 31. März 2020 einen Abschluss.

Noch viel wichtiger, als das technische Wissen weiterzugeben ist die persönliche Einstellung von Jean. Er kann nur schon durch sein Leben wirkliche Hoffnung und Zuversicht weitergeben.

Das Leben von Jean und auch von Jean De Dieu ist eine Friedens-Message wie die von Martin Luther King – nur ohne Worte!

Tag 4: Ankunft in Sabongo

Nun geht’s weiter mit der Berichterstattung meines Besuchs in Zentralafrika.

Ich musste zuerst zu Hause ankommen und mich an das raue Winterklima gewöhnen, bevor ich mich wieder an den Ereignissen in Afrika erwärmen konnte. Es ging alles auf einmal so schnell. Für meine Seele war das doch etwas viel Abwechslung und auch der Magen musste das Genossene erst noch verdauen.

Also der Tag 4 war ein Sonntag und meine Gastgeber Markus und Esther begleiteten mich zum Gottesdienst an unserem neuen Projektstandort Sabongo.

Ich war sehr gespannt, wen und was ich antreffen würde. Jean De Dieu und Odette auf jeden Fall, aber wie wird ihr Umfeld sein? Wer sind diese Bamingas, diese Pygmäen?

Aber seht doch selbst. Es war ein sehr lebendiger Gottesdienst mit viel Halloo und Gesang. Der Rhythmus ist mir dermassen in die Beine gegangen, dass ich mich nicht enthalten konnte mitzutanzen😉 Der abkühlende Regen während des Gottesdienstes kam daher genau richtig.

Film: Ankunft in Sabongo ca. 5 Min.

Das Thema meiner Predigt könnt ihr euch ausdenken was es war: die zwei Bäume. Diese Botschaft ist für die Menschen, bei welchen der Urwald die Heimat ist, sehr anschaulich.

Die zwei Bäume
Workshop Die 2 Bäume

Link zum Workshop mit den zwei Bäumen ist hier.

Nach dem gemeinsamen Essen, bei dem ich natürlich auch vom Maniok, dem zentralafrikanischen Nationalgericht probieren musste, gings im Regen zurück nach Bangui.

Hinweis: die grün eingefärbten Textteile sind Links. Mit Klick auf diese kommst du auf die bezeichnete Seite.