Schlimme Situation im Osten der RCA

Und die Welt schaut weg

– Ein eindringlicher Apell an die UNO – Berichte von RFI Radio France Internationale und Jeune Afrique (auf Französisch)

Link zum Bericht von RFI

Link zum Bericht von Jeune Afrique

Exodus aus Alindao

Dramatischer Bericht aus Bria, wo es hunderte von Opfern gegeben  hat.

Bericht von Radio Africa No 1 (Französisch)

Laut letzten Berichten müssen unsere Leute nun auch aus Alindao flüchten.

Im gesamten Osten des Landes wird weitergekämpft. Besonders in der Stadt Bria, nördlich von Alindao gibt es sehr viele Tote. Die humanitäre Situation ist sehr schlimm.

Unser Mitarbeiter Jean de Dieu ist nach Bamabari geflüchtet und anderen nach Elim oder nach Bangui, in die Hauptstadt. In Elim, unserer Hauptstation wurde von der UNO ein Flüchtlingslager eingerichtet (Beitragsbild: Flüchtlingslager mit behelfsmässigem Schutz vor dem intensiven Regen).

Dies alles nicht mal 24 Stunden, nachdem in Rom ein Friedensvertrag zwischen 13 Rebellengruppen unterzeichnet wurde.

Die 90 Jahrfeier unserer Missions- und Projektarbeit wird nun dieses Jahr kaum stattfinden können.

Informatik StartUp Unternehmen

In Bangui traf ich im Februar 2017 einen jungen Unternehmer Jean de Dieu Kongui (34). Er hat an der Universität Bangui Informatik Ingenieur studiert und betreibt ein StartUp Geschäft für Informatik. Jean de Dieu ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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Er installiert und repariert Computer. Die Leute können bei ihm Dokumente ausdrucken. Zum Glück betreibt er sein Geschäft mit Solarstrom, denn seit 5 Tagen gibts in diesem Quartier keinen Strom.

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Jean de Dieu unterrichtet auch Informatik in einem kleinen Hinterzimmer.

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Informatikschulen sollen in unserer Region um Alindao, vor allem aber in der Hauptstadt Bangui entstehen. Deshalb haben wir den letzten Conatainer mit Computern gefüllt.

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Wir haben mehrere Duzend ausrangierte PCs und Bildschirme in dankenswerter Weise von der Berufsfachschule Oberwallis in Visp erhalten. Diese wurden dann durch ICL help international via Container in die RCA gesandt.

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Dies ist lobenswert: Berufsschule Schweiz unterstützt Berufsschulen in Afrika

mabako na maboko – Hand in Hand

Die Banguifahrt

Und hui – bin ich wieder zurück in Bangui.

Der Flug dauerte nur gerade eine Stunde und es ist kaum zu glauben, die früher so gefürchtete Banguifahrt von Alindao nach Bangui ist schon vorbei. Fast unfassbar – wir sitzen gemütlich am Mittagstisch und lassen die abenteuerlichen Fahrten von damals Revue passieren.

Früher mussten wir uns auf diese Fahrt gut vorbereiten. Es galt die Strecke von 500 km vor allem auf Lateritstrassen mit Kind und Kegel und mit genügend Wasser- und Essensreserven pannenfrei zu bestehen.

Zu den besten Zeiten legten wir diese Strecke an einem Tag in 9 Stunden zurück. Heute sagt man braucht man dafür 3 Tage – ohne die Aufenthalte an den Barrieren mitzurechnen.

Nur schon für die Strecke Elim – Alindao von 30 km brauchten wir gestern 1 ½ Stunden. Vor mehr als 20 Jahren waren Urs und ich Rekordhalter für diese Strecke: weniger als 30 Minuten. Urs zeigte mir damals eine tolle Technik wie man mit Vollgas über die Löcher fliegt.

Du musst hierfür allerdings die Strecke und vor allem die Löcher gut kennen. Denn wenn du zu spät Gas gibst oder zu früh bremst, machst du dich bei deinen herumfliegenden Passagieren nicht beliebt. Kollektiv knallen dann die Köpfe ans Kabinendach und du musst hoffen, dass die Fracht und auch die Passagiere hinten noch geladen sind.

Ja, wir schwärmten, wie wir damals mit 80 bis 90 Sachen über den frisch gemachten Laterit brausten – immer knapp vor einer weit auflodernden Staubwolke herfahrend. Nur die Barrieren konnten uns stoppen. Dort wurden wir dann auch von der Staubwolke eingeholt und eingehüllt.

Als ich wieder in der Schweiz war, schrieb ich unserem Bundesrat Didier Burkhalter ein Dankes E-Mail. Die Schweiz unterstützt die UNO Organisation UNHAS mit jährlich einer halben Million Schweizerfranken. Leider hat er nicht geantwortet und ich werde wohl von ihm auch niemals mehr eine Antwort erwarten dürfen.

UNHAS ist eine Organisation Flugzeuge ohne Grenzen, welche in Krisengebieten sehr vergünstige Flüge für Hilfsorganisationen anbietet. In der RCA fliegen sie 30 Destinationen an, so unter anderem auch Alindao.

Die Geschenke sind angekommen

Beim Clan der Familie Samuel (56) herrscht grosse Freude. Die Geschenke sind gut angekommen. Luc (18) ein Sohn von Samuel möcht Moniteur werden wie sein Vater. Er hat von ihm alle Techniken im Bereich der Agroforesterie – von der Baumschule – Greffage, Pflanzung und Nutzung gelernt. So kommen die Baumscheren und Zweimesser genau richtig.

Sein älterer Bruder Dominique (22) möchte Schreiner werden. Er hat die Nutzung der Bäume seines Vaters gelernt. Er weiss, wie man die Bäume fällt und zu Bretter und Balken zersägt. Er hofft, irgendwann eine Säge und Werkzeug für die Schreinerarbeiten zu erhalten. Dies ist jedoch bei der aktuellen Situation im Land sehr schwierig.

Auch die anderen Kinder helfen tatkräftig im Garten Eden ihrer Eltern mit. Jedes von ihnen hat seine Träume und Wünsche und möchte vor allem handwerkliche Berufe, wie Schreiner, Maurer, Mechaniker usw. erlernen.

Am Visionstag, wo ja auch die Kinder der Animateure anwesend waren hat ein Junge sogar den Wunsch geäussert, Informatiker zu werden. Dies trifft sich gut, haben wir doch den letzten Container voll gepackt mit ausrangierten Computern und Bildschirmen.

So weiss ich nun schon, was in den nächsten Container reinkommt: Werkzeuge!

In Berufskursen können sie dann von ihren Eltern oder von erfahrenen Berufsleuten das Know how lernen. Am Schluss erhalten sie einen Satz passende Werkzeuge zum erlernten Beruf – inklusive der Informationen, wie man das Werkzeug benutzt und vor allem pflegt, so dass es so lange wie möglich genutzt werden kann.

Ich freue mich sehr auf dieses neue Projekt und und sehe sehr gute Möglichkeiten, wie wir unsere Freunde in der RCA unterstützen können.

Zurück in der Schweiz werde ich dann die notwendigen Schritte unternehmen.

Kakerlaken

War das ein Empfang. Ich schwelge noch lange in diesen schönen Augenblicken. Die Herzlichkeit dieser Menschen und ihre Freude aufs Wiedersehen haben mich umgehauen.

So in Gedanken versunken liege ich frisch geduscht auf dem Bett und suche den Schlaf. Es ist heiss und der Schweiss drückt aus allen Poren.

Auf einmal zwickts und knabberts an meinem Bauch. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass dies nicht der normale Schweissausbruch ist, sondern dass ich mal nachschauen sollte. Im dunkeln betaste ich die Stelle und schon krabbelts die Hand hoch.

Der Griff zur Taschenlampe gleicht einem Topspin und der Smash and die Bettkante einem Matchpunkt. Hat doch so eine dreiste Kakerlake versucht, sich an meinem salzigen Schweiss zu berauschen. Na so was, nach der Antilope von innen, nun der Angriff von aussen.

Eine Kontrolle der Bettstatt und des ganzen Zimmers hat dann ergeben, dass es sich um einen Einzelgänger handelte. Es muss wohl ein Pionier gewesen sein, den ich eliminieren konnte – wehret den Anfängen.

Wenn das Haus mit Kakerlaken verseucht ist kommen sie nachts aus allen Ecken und suchen im Schwarm deinen Füssen zu entfliehen. Sie zu zertreten ist aussichtslos – sie sind sehr flink.

Ich hab mich an meine Strategie von früher erinnert. Du musst immer einen halben Schritt weiter treten, als du zu treten gedenkst – dann erwischst zu sie alle.

Die langen Fühler sind da sehr praktisch – so kannst du sie problemlos aufheben und entsorgen.

Ich hoffe, dass ich den Tierschützern nicht zu nahe getreten bin. Ich kann euch beruhigen. Die Kakerlaken sind definitiv NICHT vom Aussterben bedroht – im Gegenteil. Man sagt von ihnen, dass sie sogar einen Atomschlag überleben würden…

Kinder Kinder…

Auf dem Titelbild ist eine Mutter mit ihren Kindern und deren Spielkameraden zu sehen. Was für eine Zukunft haben sie?

… was für ein Empfang:-) 🙂 🙂 und Erklärung von : maboko na maboko

Der 1. Durchfall

Der 1. Durchfall ist schon fast durch.

Eigentlich war es recht heimelig am Sonntag, dort im Restaurant, wo wir uns verleiten liessen einheimische Antilope zu essen. Schliesslich waren dort auch noch viele andere Weisse, welche dort enspannt sassen und es sich genüsslich schmecken liessen.

Aber weit gefehlt – in nächtlicher Stunde suchte die Antilope ihre Freiheit wieder und hat sich in weiten Sprüngen im wahrsten Sinne des Wortes durchs Gätterli verdünnisiert.

Nein das reichte ihr nicht, sie wollte komplett raus und benutzte deshalb auch noch den anderen Ausgang.

Tja, anklimatisieren hat nicht nur mit der Temperatur etwas zu tun, sondern die ganze Darmfauna muss sich da auf etwas gefasst machen.

Mir gingen da die Worte meiner Ärztin durch den Kopf, welche sagte dass die Typhusimpfung erst an Wirksamkeit gewinnt, wenn sie mit einschlägigen Bakterien in Kontakt kommt.

Na ja das hat dann schon mal voll eingeschlagen!

Heute sind wir übrigens bei Nicolas zum zMittag eingeladen…bon appetit!

Anschliessend gehts zum Flughafen wegen dem Gepäck…

Nachtrag: es ist alles super herausgekommen – das Essen war sehr bekömmlich, wir hatten sehr interessante Gespräche und das Gepäck ist gut angekommen:D

I si awe! Bin angekommen!

Uff war das knapp!

In Paris hatte ich um ein Haar den Anschluss nach Bangui verpasst. Bei einer Sicherheitskontrolle gabs dort einen Riesenrückstau, so dass ich das Flugzeug nur dank einem Supersprint erreichen konnte.

Die Tür war schon zu und wurde widerwillig für mich und noch zwei weitere Passagiere nochmals geöffnet. Man wollte unbedingt eine Verspätumg vermeiden und man überlegte sich, was einfacher geht; das Gepäck rausholen, oder für uns den Fingerdock wieder ranzufahren. Zum Glück entschied nan sich fürs Zweite;-)

Na ja in Bangui sind wir dann gut angekommen – aber leider ohne Gepäck. Das können wir dann nächsten Dienstag abholen – hat man uns gesagt…

Tja, den Air France nehm ich nicht mehr alles ab – glaube nur noch,wenn ichs sehe bzw in händen hab…

So war auch die Wetterprognose total falsch. Trump würde hier sagen: „fake news“ – (gestern war ja auch sein Tag…)

Also, es war schon heiss, aber nicht die angekündigten 42 Grad, sondern knapp 33 Grad. In der Nacht gabs dann ein kräftiges, kühlendes Gewitter, so dass es sich heute mit feuchten 28 Grad schon fast wohl anfühlt.

Von Brunners wurde ich herzlich empfangen und Nicolas schickte einen Empfang zum Flugzeug, welcher mich durch den VIP-Bereich lotste.

Fotos von der Reise kann ich erst später hochladen, das Internet ist hier zu schwach. Werde sie so bald als möglich hochladen.

Mir gehts gut und bin glücklich in meiner zweiten Heimat angekommen.

Ein herzliches Balaoo mingi.

Euer Toni

Erster Blogbeitrag – Abschied und Start

Hallo, dies war mein erster Blogeintrag.

War das ein Abschiedsfest! Nach fast 19 Jahren Arbeit als Personalberater im RAV Oberwallis gibts einen Neuanfang – eigentlich ein Wiedereinstieg – oder, man könnte auch sagen ein Quereinstieg?

Von Pensionierung und Ruhestand kann natürlich auf keinen Fall die Rede sein. Nur schon die smashes beim Volleyball oder die topspins beim Tischtennis verraten, dass ich mich überhaupt nicht alt fühle, sondern – insofern sie nicht im Netz oder im out landen – fit für neue Aufgaben bin.

Eine solche Aufgabe hat in den Vorbereitungen schon begonnen – zurück nach Zentralafrika, zurück zu den Projekten und zurück zu den Menschen, die ich dort schon vor 30 Jahren lieb gewonnen habe. Diese Menschen erleben im Moment die dunkelste Zeit, die man sich vorstellen kann: Bürgerkrieg, Vertreibung, Hunger und Armut. Die RCA ist zum zweitärmsten Land der Welt geworden.

Aber genau diese Leute haben die Hoffnung nicht verloren. Sie sind im Glauben fest geblieben und arbeiten unermüdlich and der Versöhnung und am Wiederaufbau des Landes. Diesen Menschen möchte ich dabei helfen.

In der Fotostory siehst du die Entwicklung des Agroforestery Projektes von Anfang an – bis heute – und was für Projekte in Zukunft vorgesehen sind.

Balao mingi – Euer Toni