Die gd-Schule in Bratsch

Die gd-Schule hat das Walliser Bergdorf Bratsch wiederbelebt, wo die offizielle Schule vor etlichen Jahren wegen der Abwanderung geschlossen werden musste.

Vor drei Jahren wurde sie in den leeren Schulräumlichkeiten des Dorfes als Privatschule eingerichtet, welche nun ein komplett neues und eigenständiges Schulsystem entwickelt.

Die Schüler und Schülerinnen lernen aus der Praxis – für die Praxis – fürs Leben.

Hier ein Portrait dieser Schule von WB und rro bei ihrer Serie „Schüälzit“  (ca. 4 Min.)

Und hier ein paar Punkte, was die gd-Schule ausmacht und von der öffentlichen Staatsschule unterscheidet. Nicht gedacht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung.

  • Keine Klassen – jedoch mit 3 Phasen: 1. Phase Kindergärtner bis 2. Klasse, 2. Phase Primarschule, 3. Phase Oberstufe. Die Kinder befinden sich, je nach Reifestand in der entsprechenden Phase.
  • Keine starren Schulbänke – jedoch viel Bewegung an der frischen Luft, draussen in der Natur.
  • Keine Schulbücher – jedoch die voll digitalisierte Onlineplattform HAZU, ein Oberwalliser StartUp, wo sowohl die Lehrpersonen die Lektionen bereitstellen, die Schulkinder ihre Workspaces bearbeiten, als auch die Eltern den Lernfortschritt mitverfolgen können.
  • Kein starrer Lehrplan – jedoch ein projekt-und realitätsbezogenes, praktisches Ausbildungsprogramm
  • Keine Hausaufgaben – jedoch ein individuell angepasster Aktions- und Lehrplan
  • Keine Noten – jedoch wöchentliche Auswertungssitzungen des Lehrkörpers und ein persönliches Monitoringsystem der Schulkinder zur Selbstbeurteilung.
  • Keine Prüfungen – jedoch persönliche Ziele, welche durch das Monitoring und die Selbstbeurteilung überprüft werden. Die Kinder gehen an die obligatorischen Staatsprüfungen und haben dort überdurchschnittlich abgeschlossen.
  • praktisch kein Mobbing – weil das soziale Miteinander ein Schwerpunkt der Schule ist. Konflikte werden ausgetragen, Verantwortung übernommen und Entschuldigung ausgesprochen.
  • hoch motiviertes Lehrpersonal – welches sich mit sehr viel Professionalität und Empathie als Coaches für die Kinder engagiert.

Was der Schulleiter Damian Gsponer zu seiner Schule zu sagen hat, ist in folgendem Interview des Walliser Bote (WB) vom 19.4.2019 zu lesen.

«Wenn der Wettbewerb spielt, ist das für das Schulwesen gut»

Hier der Link zur Webseite der gd-Schule

Hilfe für Sabongo

Und wieder trifft am Sonntag eine Meldung aus Afrika ein.

Diesmal jedoch mit einer guter Nachricht und Fotos, welche mich sehr erfreuen!

Und diesmal erhielt ich die Fotos über WhatsApp von einem Missionarsehepaar, bei welchem ich vor einem Jahr beim Besuch in Bangui zu Gast sein durfte.

Nachdem sie vom Buschfeuer in Sabongo gehört hatten, organisierten sie spontan eine Kleiderspendenaktion und stellten Kleider zur Verfügung, welche früher zusammen mit gebrauchten Computern in einem Container nach Zentralafrika geschickt wurden.

In all der Tristesse ist dies ein schöner Farbtupfer und die Leute sind sehr dankbar für diese Hilfe.

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So bin ich sehr berührt von der Anteilnahme und auch den spontanen Spenden für den Wiederaufbau, welche nach dem letzten Blogbeitrag eingegangen sind.

Diese Hilfe zeigt den Menschen in Sabango, dass sie nicht alleine sind und jemand an sie denkt. Wenn sie ans Werk gehen, um einmal mehr eine neue Existenz aufzubauen, wissen sie, sie sind nicht alleine.

Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: „Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dich gespeist, oder durstig, und haben dir zu trinken gegeben? Wann haben wir dich als Fremdling gesehen und haben dich beherbergt, oder ohne Kleidung, und haben dich bekleidet? Wann haben wir dich krank gesehen oder im Gefängnis, und sind zu dir gekommen“?

Und der König wird ihnen antworten und sagen: „Wahrlich, ich sage euch: Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder (Schwestern und Kinder) getan habt, das habt ihr mir getan“!

Matthäus 25:37-40
https://my.bible.com/bible/157/MAT.25.37-40

Auch noch das Buschfeuer…

Es ist unfassbar, was für Bilder ich am Sonntagmorgen über Messenger aus Bangui erhalten habe.

Als ob Not und Elend nicht schon gross genug wären. Das Buschfeuer hat mehrere Häuser in Sabongo vollständig zerstört – auch das Haus von Jean.

Das sind Bilder, die mir sehr tief gehen!

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So sah sein Haus vor einem Jahr aus, als ich ihn besuchte

Damals begann Jean in Sabongo eine neue Existenz aufzubauen, nachdem er mit seiner Frau und den vier Kindern vor dem Krieg im Landesinnern flüchten musste.

In seinem Haus fehlten noch Türen und Fenster, jedoch in seinem Garten hatte er schon Maniok und Ananas angebaut, welche er auf dem Markt in Bangui verkaufen konnte.

Mit Palmwedeln und etwas Wasser hat man offensichtlich versucht dem Feuer Herr zu werden, aber in der Trockenzeit ist dies ein hoffnungsloses Unterfangen.

Von November bis März gibt es in Zentralafrika praktisch keine Niederschläge, so dass das ganze Land austrocknet. Da reicht ein kleiner Funke, welcher das staubtrockene Buschgras in Brand setzen kann und ein riesiges Flammenmeer frisst sich durch die Baum- und Grassavanne.

Der Kampf gegen das Buschfeuer war denn auch in unserer damaligen Projektarbeit eines der wichtigsten Anliegen. Besonders, weil die Leute das Feuer mit Absicht legten, damit sie einfacher zum Kleingetier kamen, welches sich vor dem Feuer im Boden verkroch und auch weil sie damit ihre Feldarbeit vereinfachen konnten.

Auch die Mbororos, die Nomaden, brennen die Savanne systematisch ab, damit ihre Kühe im April, zu Beginn der Regenzeit, frisches Gras fressen können.

Dass damit aber die Bodenfruchtbarkeit verloren geht und das organische Material – der Rohstoff für Kompost, Gründüngung und Bodenbedeckung zerstört wird, war unser Hauptthema bei unseren jährlichen Sensibilisierungskampagnen.

So tourten wir mit einer Filmausrüstung und unserem Film „Halte aux feux de brousse“ immer wieder durch die ganze Region und zeigten ihnen wie sie ihre Häuser und Felder vor dem Feuer schützen und mit dem organischen Material die Bodenfruchtbarkeit verbessern konnten. Hier ist eine Miniversion dieses Filmes auf Sango, Dauer ca. 4 Min.

Es gab viele unserer Kursteilnehmer, welche diese Techniken anwendeten und damit Erfolg hatten.

Aber immer wieder gab es auch Situationen, wo das Feuer trotzdem einbrach und alles zerstörte. Oft war die Trockenheit und das Feuer einfach zu gross, so dass die Kräfte nicht mehr reichten.

Meine Gedanken sind bei diesen Betroffenen in Sabongo und natürlich bei Jean und seiner Familie.

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Jean Takata zusammen mit seiner Frau und seinen vier Kindern. Rechts sitzend Jean De Dieu Kolipou, der Projektleiter in Sabongo.

Er ist für mich ein grosses Beispiel von Demut und Hoffnung, welcher mit seiner Einstellung vielen Menschen geholfen hat, welche auch als Flüchtlinge in Sabongo gestrandet sind.

So werde ich ihm auf jeden Fall bei nächster Gelegenheit meine Unterstützung zum Wiederaufbau zukommen lassen.

Ihm zu Ehre habe ich vor einem Jahr den Blogbeitrag „I have a Dream“ geschrieben.

Ich bete viel für ihn – und hoffe, dass er die Hoffnung nicht verliert.

EIOH – Earth In Our Hands

Wir setzen uns mit der Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit und dem Klimawandel auseinander.

Foto Greta Thunberg

Wir reden über das Phänomen Greta Thunberg und haben unsere Antwort auf ihr Anliegen: „EIOOOOOH!“ (die 5 „O“ stehen für Matteo, Lena, Noah, Julia und Elena)

EIOH steht für: „Earth In Our Hands“ – „Erde, oder die Erde in unserer Hand“

JA! wir kennen  die Gefahren, welche unsere Lebensgrundlage bedrohen. Wir kennen unseren Platz im Ökosystem  und wollen unsere Verantwortung wahr nehmen, indem wir die Natur schützen und erhalten.

  • Und JA! Ganz konkret erhalten, ja verbessern wir mit unserem Projekt die Bodenfruchtbarkeit und gehen bewusst und nachhaltig mit den natürlichen Ressourcen um. 
  • Wir wollen uns das hierfür notwendige Wissen im schuleigenen Biogarten aneignen und unsere Erfahrungen an andere Schüler und Schülerinnen weitergeben!

Dies ist das Statement, das wir anlässlich der Einweihung des Projektnamens abgaben.


Im Januar dieses Jahren haben wir in der gd-Schule in Bratsch im Wallis im Auftrag und mit Unterstützung des Naturpark Pfyn-Finges und damit mit dem BAFU (Bundesamt für Umwelt) ein Agrarprojekt gestartet.

So wurde ich beauftragt, als Agraringenieur und Freelancer eine handverlesene Gruppe von Schülerinnen und Schüler im Alter von 10 bis 14 Jahren in biologisch- ökologischem Gartenbau heranzubilden.

Hierzu erfolgt eine fundierte Schulung in den Grundkenntnissen der Natur mit ihren Kreisläufen und dem Wechselspiel zwischen den Pflanzen und den Elementen Boden, Wasser, Luft und Licht.

Spannend ist dann vor allem zu erkennen, welche Rolle wir Menschen in diesen Kreisläufen einnehmen.

Das wichtigste Element – dies war auch schon im Agroforestry Projekt in Afrika so – ist die Erhaltung, ja sogar die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit im schuleigenen Garten in Bratsch und bei den Kids bei sich zu Hause.


Die Lektionen und Lehrmittel, welche ich auf der Webplattform HAZU bereitstelle, dienen den Kindern als gemeinsamer, interaktiver Arbeitsplatz.

Anlässlich des HAZU-Meetup im BioArk in Visp hatte ich Gelegenheit diese Arbeit einem interessierten Publikum vorzustellen.

Hazu Meetup BioArk Visp

Was ist Agroforestry?

Die Kombination von Landwirtschaft und Forstwirtschaft ergibt die Agroforstwirtschaft (Agroforestry eng).

Diese Kombination bietet viele Synergien bei der Produktion von Nahrungsmitteln, Früchten und Holz, welche für die Ernährung und die Existenzsicherung in Zentralafrika sehr wichtig sind.

Auf dem Titelbild wurden in einem extensiv (9×9 m) bepflanzten Wald von Gmellina (Weissholz) die Kulturen Reis und Mais angepflanzt.

In diesem Beitrag möchte ich euch, liebe Blogleser und Leserinnen, einmal erklären, was Agroferestry eigentlich ist.


Hier zeige ich euch an Hand von Bildern die Vorteile, welche die Bäume bringen, welche wir in den Garten- und Ackerbau integrieren.

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Hier wurden Bäume gepflanzt als Lieferanten von Brennholz…
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… welches für die tägliche Zubereitung der Nahrung gebraucht wird.
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Eine Intensivplantage, 3×3 m gepflanzt ergibt hohe und gerade Bäume…
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… welche zu Brettern zersägt…
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… und dann zu Tischen, Stühle usw. fabriziert werden.
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Obstgärten werden gepflanzt …
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… um gesunde und vitaminreiche Früchte ernten zu können – hier Mangos …
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… und auch, um Blätter, Rinde und Wurzeln zu medizinischen Zwecken zu pflücken.
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Wälder und Pflanzungen liefern viel organisches Material für Kompost und Bodenbedeckung…
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… sie geben Schatten …
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… und schützen vor Wind und Wetter …
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… oder sind als Ornamentpflanzen einfach nur schön zum Ansehen !

Auf dem Bild unten sieht man eine Kombination von Ackerbau und Baumwirtschaft rund um- und innerhalb der Felder, wie wir sie damals in Alindao auf unseren Demonstrationsfeldern den Kursteilnehmern zeigten.

Ubersicht Rotationssystem
Zum Vergrössern aufs Bild klicken
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Hier ein Schnitt durch ein solches Agroforestry-Band rund um Felder und Dörfer

Kommt dann zusätzlich noch die Kleintierhaltung hinzu, sprechen wir von einem integrierten System, welches als Zentrum die Sicherung der Existenzgrundlage einer afrikanischen Familie (Sippe) oder einem Dorf hat.

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-> wenn du mehr über dieses Thema wissen möchtest : AGROFORESTERIE

-> oder über das Thema Garten- und Ackerbau: YAKA

-> Überblick über alle unsere Techniken: LES TECHNIQUES – NAVIGATION

Licht im Dunkel

Oder wie Kerzlein im rauen Wind.

So flackern zur Zeit unsere Lichtträger im Schutz der Gemeinschaft in Sabongo, unserem Projekt-Dorf nahe bei Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik.

Dorthin hat es sie nämlich auf der Flucht vor den Gewaltausbrüchen und Gräueltaten im Landesinnern verschlagen.

In Alindao, der Stadt, wo wir vor 30 Jahren mit unserer Projektarbeit begannen, wütet ein mächtiger Sturm der Gewalt, welcher einen Flächenbrand von Verwüstung, Mord und Todschlag angefacht hat – wie zu seiner Zeit die Buschfeuer, welche ganze Landstriche Afrikas verwüsteten (siehe die Berichte von RFI Radio France Internationale über die aktuellen Geschehnisse in Alindao).

Auf dem Titelbild halten die Teilnehmer des dritten Kurses die Scripts hoch. Ihre Gesichter sind jedoch betrübt und bedrückt.

Immer mehr Flüchtlinge treffen in Sabongo ein und werden von unseren Freunden herzlich empfangen und betreut. Sie erhalten direkte Hilfe und fürs Erste ein Dach über den Kopf.

Dann wird ihnen ein Stück Land zugeteilt. Hier können sie ihre Nahrung selber anpflanzen. Dabei werden sie von unseren Freunden unterstützt, erhalten junge Bäumchen, die sie in der Baumschule gezogen haben. Auf diese Weise profitieren sie von den Erfahrungen, die unsere Kursteilnehmer während der Kurse gemacht haben.

Jean De Dieu und seine Frau Odette betreuen sie zusammen mit den anderen ortsansässigen Dorfanimateuren in diesem Prozess und leisten dadurch eine wichtige Friedens- und Aufbauarbeit.

Sie sind wie Lichter in dieser tiefschwarzen Finsternis, die zur Zeit in Zentralafrika herrscht. Durch den immensen Druck und die grosse Unsicherheit, sind sie jedoch gefährdet – wie Kerzen im Wind, die jederzeit ausgelöscht werden könnten.

So sind sie sehr Dankbar für jeden Kontakt und Unterstützung von aussen. Nur schon zu wissen, dass jemand an sie denkt und für sie betet, hilft ihnen enorm und ermutigt sie, weiter zu machen.

Die seltenen Gespräche mit Jean De Dieu über Messenger, sind immer sehr berührend. So konnte ich ihm nun, nach Erhalt der wichtigen Rapporte, Fotos und Abrechnungen, meine weitere Unterstützung zusagen.

Wir schmiedeten Pläne fürs nächste Jahr und ich habe ihm versprochen eine weitere Sammlung für die Finanzierung der Projektarbeit zu starten.

Wenn sich nun jemand von euch angesprochen fühlt, sich an diesem Projekt zu beteiligen, kann er/sie dies mit einer kleinen Spende tun.

Ich möchte, dass wir für unsere Freunde in der RCA eine Ermutigung sind. Dass die Hoffnung bleibt, welche wie ein Sturmglas über ihren brennenden Kerzen sitzt. Lichter, welche zwar klein sind, aber weit in der Dunkelheit sichtbar sind.

Eine besinnliche Adventszeit und ein herzliches Vergelt’sGott

Euer Toni

Endlich gute Nachrichten!

Endlich, endlich sind die Abrechnungen und Rapporte der Projektarbeit eingetroffen.

Die eingereichten Unterlagen und auch die neusten Berichte und Fotos von Besuchern bestätigen, was mir Jean De Dieu eigentlich immer wieder am Telefon über Messenger berichtet hat. Die Arbeit läuft gut – trotz der erheblichen Schwierigkeiten mit denen unsere Mitarbeiter in Bangui zu kämpfen haben.

Titelbild: Kursteilnehmerinnen in der Baumschule von Sabongo.

Das Schulungsprogramm (3 Kurse) und die anschliessenden Besuche bei den Kursteilnehmern zu Hause konnten wie geplant und budgetiert durchgeführt werden.

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Die ganze Equipe von Sabongo. Die Moniteure, Dorfanimateure und die neue Basisgruppe von Sabongo – inklusive Baminga (Pygmäen). Wie immer – maboko na maboko – Hand in Hand

Wir haben nun das nächste Jahr geplant und budgetiert. Für 2019 ist mit dieser ersten Basisgruppe ein abschliessender Kurs vorgesehen. Die Kursteilnehmer werden dann im Verlaufe des Jahres weiter durch Jean De Dieu besucht und intensiv betreut.

Ende Jahr werden dann, nach einer Evaluation, diejenigen Kursteilnehmer ein Diplom erhalten, welche das Gelernte erfolgreich angewendet haben – gleich, wie damals im CFAE-Programm.

Im darauffolgenden Jahr 2020 werden sie dann zu Dorfanimateuren weitergebildet, damit sie ihr Wissen an ihr Umfeld bei sich zu Hause an Hand von Dorfkursen weitergeben können.

Das gesamte Budget für 2019 beläuft sich auf ca. CHF 5’500.- Hier ist der Start einer zweiten Basisgruppe im Zentrum von Bangui mit einberechnet.

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Dankbar für die Hilfe und – genug zu Essen zu haben
Möchtest du mithelfen? Mit einer Spende hast du Anteil am Erfolg unseres Projektes in Bangui. Unsere Freunde dort wissen dies sehr zu schätzen – ein herzliches Merci mingi!

In diesem Fall kannst du mir eine E-Mail auf toni.rcahelp@bluewin.ch schicken. Ich werde dir dann die notwendigen Informationen zukommen lassen.


Hinweis: die grün eingefärbten Textteile sind Links. Mit Klick auf diese kommst du auf die bezeichnete Seite.

Menschlichkeitswandel

Auf dem Titelbild sieht man meine Freunde in Kongo Bazanga, einem Dorf nahe Alindao, damals 2004. Wo sind diese Menschen geblieben?

Und wo ist diese Familie in Elim geblieben? Sind sie überhaupt noch am Leben? Oder wurden auch sie gezwungen als Kindersoldaten zu kämpfen?

(Fotos gelöscht wegen erneuten kriegerischen Handlungen in Alindao und Umgebung. Eine Frau, die auf diesem Foto abgebildet war wurde ermordet, als sie auf dem Weg zu ihrem Garten war. Sie war im sechsten Monat schwanger)

Berichten zu Folge (Ende 2018)  wird in der Region um Alindao um jedes Dorf gekämpft – mittendrin Kongo Bazanga (Titelbild). Einmal wird ein Dorf von den Rebellen eingenommen, dann wieder von den Widerstandskämpfern zurückerobert.

(Fotos gelöscht wegen erneuten kriegerischen Handlungen in Alindao und Umgebung)

Ich habe keine Ahnung, wie es unseren Freunden geht? Meine Gedanken beginnen zu kreisen und schweifen ab. Ich kann nicht schlafen und beginne zu schreiben…

Alles spricht vom Klimawandel und dass die Erde bzw. die Menschen, die darauf leben in Gefahr sind.

Aber ist es nicht in Wirklichkeit der Menschlichkeitswandel, welcher die Menschheit bedroht? Wenn es so weitergeht, wird dieser den Klimawandel noch überholen.

Ich frage mich: warum ist hier Frieden nicht möglich? Gibt es eine «hidden agenda» – eine versteckte Agenda? Gibt es Mächte, welche an einer instabilen Lage des Landes interessiert sind? Ja, ganz offensichtlich!

Vor allem die Kriegsherren, aber auch östlichen Grossmächte, welche in Afrika zwar grosse Infrastrukturprojekte verwirklichen, jedoch anderseits ungehindert die reichen Bodenschätze abbauen bzw. ausrauben, ohne irgendwelche humanitäre Regeln oder arbeitsrechtliche Vorschriften einhalten zu müssen.

Es gibt offensichtlich einflussreiche Führungspersönlichkeiten, welche durch ihre Untätigkeit persönliche Vorteile erarbeitet haben.

Weshalb ist es sonst unmöglich, die verschiedenen Rebellengruppen in der RCA durch die, im Lande stationierten UNO-Truppen in Schach zu halten? Wieso ist es nicht möglich, endlich die vielen Rebellenführer und Kriegsherren dingfest zu machen und vor ein Gericht zu bringen, wo sie für ihre Gräueltaten zur Rechenschaft gezogen werden?

Fakt ist: je länger die Krise andauert, desto undurchsichtiger, gewalttätiger und unkontrollierbarer wird sie!

Problematisch ist es auch für die muslimisch-animistischen Fulani Tierhalter, welche vom so genannten Midle Belt her ins Zentrum von Afrika vorstossen. Sie werden getrieben vom Sahel, welcher bedingt durch den Klimawandel immer weniger Nahrung für die Menschen und Futter für die Tiere hergibt.

Jahrzehnte lang haben wir auch diesen Menschen, welche zu uns in die RCA gekommen sind durch die Projektarbeit geholfen, ihre Lebensgrundlage zu verbessern.

Sie haben sich gut im Lande integriert und sind nun auch massiv unter Druck geraten. Einerseits durch die Söldner aus dem Norden, welche sie als Verräter sehen und anderseits durch die einheimischen Widerstandskämpfer, welche sie als die Brüder ihrer Feinde sehen. Ihnen wurden die Herden gestohlen, so dass viele von ihnen akut vom Hungertod bedroht sind.

(Fotos gelöscht wegen erneuten kriegerischen Handlungen in Alindao und Umgebung)

Es sind vor allem fremde Söldner, welche aus dem Norden und Osten kommen. Sie dringen  ins Land ein und vertreiben die einheimische Bevölkerung.

Gemäss Bericht von Open Doors befindet sich die Zentralafrikanische Republik auf Platz 35 der 50 Länder, wo Christen verfolgt und vertrieben werden.

Fakt ist, dass in Alindao, unserer Projektstadt im östlichen Zentrum des Landes, die Bewohner vertrieben wurden und nun in ihren Häuser fremde Menschen wohnen, welche die einheimische Sprache nicht kennen.

Diejenigen Einheimischen, welche zurückgeblieben sind, leben sehr gefährlich in zwei Flüchtlingslagern und werden von Uno-Blauhelmen beschützt und versorgt. Sie dürfen sich weder in der Stadt frei bewegen, noch ihre Felder bestellen.

(Fotos gelöscht wegen erneuten kriegerischen Handlungen in Alindao und Umgebung)

Erst kürzlich wurde einer unserer treusten Mitarbeiter, Maturin in einem Hinterhalt in der Nähe unserer ehemaligen Projektstation ermordet.

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Projektstation Alindao im Jahre 1997

Der letzte Bericht über unsere Projektstation Alindao ist niederschmetternd – es waren nur drei Worte: ausgeraubt, verlassen, zerstört!

Und Fakt ist auch, dass der Anteil an muslimischen Einwanderern stetig steigt. Auffallend ist hier die Steigerung von 5 auf 13% in nur zehn Jahren.

Die religiösen Führer des Landes, der Kardinal der Katholiken, Der Leiter der protestantischen, freikirchlichen Bewegung und der Imam der Muslime, bemühen sich sehr um Frieden und Versöhnung. Dies scheint mit der einheimischen, mehrheitlich christlichen Bevölkerung eigentlich möglich.

Aber trotz aller Bemühungen in diese Richtung hören die Konflikte nicht auf – im Gegenteil. Diejenigen, die den Frieden wollen sind schon längstens geflüchtet – als erstes in den Busch, wo sie von Gras und Blättern leben müssen und dann weiter.

Gemäss UNHCR sind es aktuell 1.2 Millionen Flüchtlingen, welche entweder ins nahe Ausland geflohen sind, oder sich im Landesinnern in Sicherheit bringen mussten, genauso, wie unsere Freunde in Sabongo.

Obwohl es sich hier um eine grosse humanitäre Katastrophe handelt, gibt es in den westlichen Medien kaum jemand, der über diese himmelschreiende Not berichtet. Siehe den Bericht von UNHCR Deutschland: „Die vergessene Katastrophe“

So möchte ich in diesem Blog und in den folgenden Fotostories diesen «vergessenen» Menschen eine Stimme und ein Gesicht geben. Liebe Freunde in Zentralafrika, ihr seid nicht vergessen!

Links zu Fotostories: Dorfleben und: Rising Sun in Africa

Was ich sicher weiss ist, auch wenn ich sehr wenig von ihnen höre, dass unsere Freunde und Projektmitarbeiter in Sabongo weiterhin dran sind, sich eine neue Lebensgrundlage zu schaffen und denjenigen helfen, welche auch auf ihrer Flucht bei ihnen eingetroffen sind.

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Jean De Dieu unterrichtet in Kursen, wie die Flüchtlinge sich selber genügend gesunde Nahrungsmittel anbauen können

Und die Moral der Geschichte? Um den Klimawandel aufzuhalten, gibt es viele Vorschläge und Rezepte. Was tun jedoch, um dem Menschlichkeitswandel entgegenzuwirken? Was tun, wenn es auf der Welt immer mehr «Gegeneinander» als «Miteinander» gibt?

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Die ganze Equipe von Sabongo. Die Moniteure, Dorfanimateure und die neue Basisgruppe von Sabongo – inklusive Baminga (Pygmäen)

Ja, genau unsere Freunde in Sabongo leben dies:

kode na beoko – Wissen und Gemeinschaft – maboko na maboko – Hand in Hand

Sie schöpfen Kraft und Hoffnung aus ihrem Glauben an Jesus Christus und werden von seinem Evangelium inspiriert, durch Vergebung und Versöhnung den Teufelskreis von Gewalt und Rache zu durchbrechen.

So gibt es zum Glück doch ein Mittel zum Guten beim Menschlichkeitswandel!

No news – good news?

Ein Beitrag zum Gedenken an Mathieu Ndagbia, welcher am 1. August 2018 bei einem Überfall der Rebellen in Alindao ums Leben kam.

Mit dem Spruch „No news – good news“ versucht man sich normalerweise zu trösten, wenn keine Nachricht kommt. Wir warteten schon seit langem auf Neuigkeiten aus der RCA, welche immer spärlicher und magerer kommen.

So wollte ich euch, liebe Blogleser zwischendurch einen Bericht über den Moringabaum schreiben, den wir in Sabongo kultivieren und testen (siehe Titelbild – der Moringabaum welcher Kursteilnehmern vorgestellt wird).

Ich wollte euch über die neuen Möglichkeiten schreiben, die wir mit diesem Wunderbaum bei der Verbesserung der Ernährungsgrundlage haben und über das Interesse der Kursteilnehmer an unseren Techniken.

Aber mir ist gar nicht mehr zum Schreiben zumute nach der Meldung vom Tod von Maturin, einem unseren besten und treusten Mitarbeiter aus Alindao.

Mathieu Ndagbia
Mathieu (Maturin) Ndabgia

Mathieu, oder Maturin, wie wir ihn alle nannten war ein Mann der ersten Stunde. Immer zuverlässig und treu. Er war zudem im letzten Jahr auch für den Unterhalt des Flugplatzes in Alindao zuständig, auf welchem die UNO-Flugzeuge landen, um Hilfsgüter für die Flüchtlingslager zu  transportieren.

Er war mit dem Motorrad dorthin unterwegs, als er in einen Hinterhalt geriet und umgebracht wurde.

Er und seine Familie leben schon seit über einem Jahr in einem Flüchtlingslager in Alindao, wo sie von der UNO ernährt und deren Blauhelme beschützt werden. Sie können sich nicht frei in der Stadt bewegen, geschweige denn auf die Felder gehen, um diese zu bestellen.

Der Weg zum Flugplatz führt direkt an unserer Projektstation in Alindao vorbei und sich nun vorzustellen, dass Maturin somit ganz in der Nähe seines und unseres langjährigen Wirkungsfeldes ums Leben gekommen ist, erschüttert mich.

Unsere Station – oder was davon noch übriggeblieben ist, nachdem sie geplündert, ausgeraubt und der Wellbleche entledigt wurde – auf unserer Station erlebten wir, auch zusammen mit Maturin und seiner Familie die glücklichsten und erfolgreichsten Zeiten in unserer Projektzeit.

Unsere Kinder und seine Kinder spielten fröhlich von unseren Häusern und wuchsen miteinander auf (siehe hierzu diesen Film in Erinnerung an Mathieu Ndagbia und seine Familie in Alindao – Souvenirs aus Alindao. Dauer ca. 3 Min.)

Inmitten der vielen Fruchtbäume auf unserer Station wuchs auch der Moringabaum heran. Eine viel versprechende Möglichkeit, die Ernährungsgrundlage der Menschen in Zentralafrika zu verbessern.

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Hier zusammen mit Jean De Dieu beim Besuch 2004 vor unserem Haus in Alindao

Aber was will ich da von Verbesserung der Lebensgrundlage schreiben, wenn nicht einmal das simple Überleben gewährleistet ist.

Als ich vor fast zwei Jahren mit dem Blogschreiben begann, habe ich mir das total anders vorgestellt. Ich wollte über freudige Begegnungen und spannende Reiseerlebnisse schreiben. Nun schreibe ich traurige Schicksalsberichte.

Aber ich schreibe auch diese –  weil ich weiss, dass es unter euch viele gibt, welche unsere afrikanischen Freunde und Geschwister auch auf dem Herzen haben und welche mittragen und mitbeten.

Von ihnen, von meinen afrikanischen Freunden, habe ich gelernt die Hoffnung nie aufzugeben… (siehe hierzu folgenden Blogbeitrag, welcher bei meiner Reise im März dieses Jahres entstand).

So wünschen wir Julienne mit ihren Kindern und Kindeskindern viel Trost, Kraft und Gottes Versorgung.

In herzlicher Anteilnahme Toni und Silvana mit Michael, David und Carlo

Schon der zweite Kurs

Titelbild: Saat in Linie – Kursthema des zweiten Kurses in Sabongo.

Ja, auch ich habe lange gewartet.

Ich wurde schon fast ungeduldig, obwohl Jean De Dieu mir am Telefon immer wieder beteuerte, wie gut der erste Kurs YAKA 1 und AGF 1 gelaufen sei und dass der Zweite YAKA2 und AGF2 kurz bevorsteht.

Aber die Fotos und Berichte fehlten, so dass ich mir schlecht ein Bild über das Geschehen machen konnte. So beschäftigte ich mich in der Zwischenzeit vor allem mit den Erzählungen und der Berichterstattung über die schwierige Situation in Bangui und der Provinz Alindao.

In Bangui gabs erneute Übergriffe mit vielen Toten, so dass Jean De Dieu sein Motorrad zu Hause lassen musste, damit er unterwegs nicht angehalten und ausgeraubt wurde. Auch das Verwaltungszentrum der Projekte befindet sich in einer sehr kritischen Zone in Bangui, so dass es nachvollziehbar ist, weshalb die versprochenen Bilder und Berichte nicht, wie versprochen gesendet werden konnte.

Nun sind sie auf einmal alle hereingekommen. Ich bin total erfreut über das, was ich zu sehen bekam – und möchte dies euch, liebe Freunde, nicht vorenthalten.

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Stolz zeigt ein Kursteilnehmer den Script des Kurses YAKA2 und AGF2 vor.

In diesem Kurs geht es um die optimale Nutzung des Bodens, sowohl oberhalb, als auch unterhalb des Bodens. Verschiedene Pflanztechniken und die Kombination von mehreren traditionellen Kulturen, wie Maniok, Mais und Erdnuss werden erlernt.

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Perfekte Saat in Linie – kota YAKA – ein Feld von einem unserer Dorfanimateure damals in Alindao, genau nach unseren Plänen (unten) angebaut (zum Vergrössern aufs Bild klicken)

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Neben der Theorie im Kühlen gibt es viel Praxis

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Diese ist viel wichtiger, weil es v.a. unter den Pygmäen viele Analphabeten gibt

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Frauen füllen während der AGF-Ausbildung (Agroforesterie) Pflanzsäcke mit Erde

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Der Kurs mit insgesamt 15 Teilnehmern (9 Männer und 6 Frauen) dauert 9 Tage. Hier das detaillierte Programm (zum Vergrössern aufs Bild klicken)

Hinweis: die grün eingefärbten Textteile sind Links. Mit Klick auf diese kommst du auf die bezeichnete Seite.