Menschlichkeitswandel

Auf dem Titelbild sieht man meine Freunde in Kongo Bazanga, einem Dorf nahe Alindao, damals 2004. Wo sind diese Menschen geblieben?

Und wo ist diese Familie in Elim geblieben? Sind sie überhaupt noch am Leben? Oder wurden auch sie gezwungen als Kindersoldaten zu kämpfen?

(Fotos gelöscht wegen erneuten kriegerischen Handlungen in Alindao und Umgebung. Eine Frau, die auf diesem Foto abgebildet war wurde ermordet, als sie auf dem Weg zu ihrem Garten war. Sie war im sechsten Monat schwanger)

Berichten zu Folge (Ende 2018)  wird in der Region um Alindao um jedes Dorf gekämpft – mittendrin Kongo Bazanga (Titelbild). Einmal wird ein Dorf von den Rebellen eingenommen, dann wieder von den Widerstandskämpfern zurückerobert.

(Fotos gelöscht wegen erneuten kriegerischen Handlungen in Alindao und Umgebung)

Ich habe keine Ahnung, wie es unseren Freunden geht? Meine Gedanken beginnen zu kreisen und schweifen ab. Ich kann nicht schlafen und beginne zu schreiben…

Alles spricht vom Klimawandel und dass die Erde bzw. die Menschen, die darauf leben in Gefahr sind.

Aber ist es nicht in Wirklichkeit der Menschlichkeitswandel, welcher die Menschheit bedroht? Wenn es so weitergeht, wird dieser den Klimawandel noch überholen.

Ich frage mich: warum ist hier Frieden nicht möglich? Gibt es eine «hidden agenda» – eine versteckte Agenda? Gibt es Mächte, welche an einer instabilen Lage des Landes interessiert sind? Ja, ganz offensichtlich!

Vor allem die Kriegsherren, aber auch östlichen Grossmächte, welche in Afrika zwar grosse Infrastrukturprojekte verwirklichen, jedoch anderseits ungehindert die reichen Bodenschätze abbauen bzw. ausrauben, ohne irgendwelche humanitäre Regeln oder arbeitsrechtliche Vorschriften einhalten zu müssen.

Es gibt offensichtlich einflussreiche Führungspersönlichkeiten, welche durch ihre Untätigkeit persönliche Vorteile erarbeitet haben.

Weshalb ist es sonst unmöglich, die verschiedenen Rebellengruppen in der RCA durch die, im Lande stationierten UNO-Truppen in Schach zu halten? Wieso ist es nicht möglich, endlich die vielen Rebellenführer und Kriegsherren dingfest zu machen und vor ein Gericht zu bringen, wo sie für ihre Gräueltaten zur Rechenschaft gezogen werden?

Fakt ist: je länger die Krise andauert, desto undurchsichtiger, gewalttätiger und unkontrollierbarer wird sie!

Problematisch ist es auch für die muslimisch-animistischen Fulani Tierhalter, welche vom so genannten Midle Belt her ins Zentrum von Afrika vorstossen. Sie werden getrieben vom Sahel, welcher bedingt durch den Klimawandel immer weniger Nahrung für die Menschen und Futter für die Tiere hergibt.

Jahrzehnte lang haben wir auch diesen Menschen, welche zu uns in die RCA gekommen sind durch die Projektarbeit geholfen, ihre Lebensgrundlage zu verbessern.

Sie haben sich gut im Lande integriert und sind nun auch massiv unter Druck geraten. Einerseits durch die Söldner aus dem Norden, welche sie als Verräter sehen und anderseits durch die einheimischen Widerstandskämpfer, welche sie als die Brüder ihrer Feinde sehen. Ihnen wurden die Herden gestohlen, so dass viele von ihnen akut vom Hungertod bedroht sind.

(Fotos gelöscht wegen erneuten kriegerischen Handlungen in Alindao und Umgebung)

Es sind vor allem fremde Söldner, welche aus dem Norden und Osten kommen. Sie dringen  ins Land ein und vertreiben die einheimische Bevölkerung.

Gemäss Bericht von Open Doors befindet sich die Zentralafrikanische Republik auf Platz 35 der 50 Länder, wo Christen verfolgt und vertrieben werden.

Fakt ist, dass in Alindao, unserer Projektstadt im östlichen Zentrum des Landes, die Bewohner vertrieben wurden und nun in ihren Häuser fremde Menschen wohnen, welche die einheimische Sprache nicht kennen.

Diejenigen Einheimischen, welche zurückgeblieben sind, leben sehr gefährlich in zwei Flüchtlingslagern und werden von Uno-Blauhelmen beschützt und versorgt. Sie dürfen sich weder in der Stadt frei bewegen, noch ihre Felder bestellen.

(Fotos gelöscht wegen erneuten kriegerischen Handlungen in Alindao und Umgebung)

Erst kürzlich wurde einer unserer treusten Mitarbeiter, Maturin in einem Hinterhalt in der Nähe unserer ehemaligen Projektstation ermordet.

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Projektstation Alindao im Jahre 1997

Der letzte Bericht über unsere Projektstation Alindao ist niederschmetternd – es waren nur drei Worte: ausgeraubt, verlassen, zerstört!

Und Fakt ist auch, dass der Anteil an muslimischen Einwanderern stetig steigt. Auffallend ist hier die Steigerung von 5 auf 13% in nur zehn Jahren.

Die religiösen Führer des Landes, der Kardinal der Katholiken, Der Leiter der protestantischen, freikirchlichen Bewegung und der Imam der Muslime, bemühen sich sehr um Frieden und Versöhnung. Dies scheint mit der einheimischen, mehrheitlich christlichen Bevölkerung eigentlich möglich.

Aber trotz aller Bemühungen in diese Richtung hören die Konflikte nicht auf – im Gegenteil. Diejenigen, die den Frieden wollen sind schon längstens geflüchtet – als erstes in den Busch, wo sie von Gras und Blättern leben müssen und dann weiter.

Gemäss UNHCR sind es aktuell 1.2 Millionen Flüchtlingen, welche entweder ins nahe Ausland geflohen sind, oder sich im Landesinnern in Sicherheit bringen mussten, genauso, wie unsere Freunde in Sabongo.

Obwohl es sich hier um eine grosse humanitäre Katastrophe handelt, gibt es in den westlichen Medien kaum jemand, der über diese himmelschreiende Not berichtet. Siehe den Bericht von UNHCR Deutschland: „Die vergessene Katastrophe“

So möchte ich in diesem Blog und in den folgenden Fotostories diesen «vergessenen» Menschen eine Stimme und ein Gesicht geben. Liebe Freunde in Zentralafrika, ihr seid nicht vergessen!

Links zu Fotostories: Dorfleben und: Rising Sun in Africa

Was ich sicher weiss ist, auch wenn ich sehr wenig von ihnen höre, dass unsere Freunde und Projektmitarbeiter in Sabongo weiterhin dran sind, sich eine neue Lebensgrundlage zu schaffen und denjenigen helfen, welche auch auf ihrer Flucht bei ihnen eingetroffen sind.

JdD in Garten
Jean De Dieu unterrichtet in Kursen, wie die Flüchtlinge sich selber genügend gesunde Nahrungsmittel anbauen können

Und die Moral der Geschichte? Um den Klimawandel aufzuhalten, gibt es viele Vorschläge und Rezepte. Was tun jedoch, um dem Menschlichkeitswandel entgegenzuwirken? Was tun, wenn es auf der Welt immer mehr «Gegeneinander» als «Miteinander» gibt?

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Die ganze Equipe von Sabongo. Die Moniteure, Dorfanimateure und die neue Basisgruppe von Sabongo – inklusive Baminga (Pygmäen)

Ja, genau unsere Freunde in Sabongo leben dies:

kode na beoko – Wissen und Gemeinschaft – maboko na maboko – Hand in Hand

Sie schöpfen Kraft und Hoffnung aus ihrem Glauben an Jesus Christus und werden von seinem Evangelium inspiriert, durch Vergebung und Versöhnung den Teufelskreis von Gewalt und Rache zu durchbrechen.

So gibt es zum Glück doch ein Mittel zum Guten beim Menschlichkeitswandel!

One Comment on “Menschlichkeitswandel

  1. Ja, wer den Stummen, den Verfolgten, den Ärmsten eine Stimme gibt, tut Gottes Werk.
    Machen wir alle mit;
    Mit unseren Gebeten, mit unserer Nächstenliebe,in welcher Form auch immer.
    Danke Toni für den Anstoss
    MarieTherese

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