Dramatische Lage im Osten der RCA

Also, wenn sogar die schweizer Medien auf die RCA aufmerksam werden, muss schon etwas ausserordentliches in Afrika passiert sein.

Unter dem Titel:

«Frühes Alarmzeichen» für einen Genozid

beschreibt SRF News International die dramatische Lage in der RCA. Hier der Link zum Artikel.

Laut Bericht eines UNO-Vertreters, welcher kürzlich das Land besuchte, ist dringender Handlungsbedarf, dass das Land nicht vollständig im Chaos versinkt.

Auch die Informationen von unseren Leuten, welche aus Alindao, unserer Projektstation flüchten mussten, sind dramatisch. Die zwei Rebellengruppen bekämpfen einander bis aufs Blut, sie terrorisieren die Bevölkerung der jeweils anderen Gruppe. Aus Alindao sind Laut Uno-Bericht 98% der Bewohner (eine Stadt mit 14’000 Einwohner) geflüchtet und die Seleka-Rebellen nehmen die leeren Häuser, die sie nicht abgebrannt haben in Beschlag.

Die Frontlinie befindet sich genau in unserer Gegend zwischen Alindao und Kongbo. Wir erhalten von hüben wie drüben schlimme Berichte. So „rekrutieren“ beide Gruppen Kämpfer, d.h. junge Männer und Kinder, um auf ihrer Seite zu kämpfen.

Gruppe von Anti Ballaka

In der Praxis sieht das dann so aus, dass die Leute gezwungen werden die Hütten der anderen Gruppe anzuzünden. Sie müssen sich einem Ritual unterziehen, eine sogenannte „Impfung“, um gegen die Kugeln der Gegner gefeit zu sein. (anti-balle = gegen die Kugeln – deshalb der Name dieser Rebellengruppe: „anti-ballaka“) Ihre Hälse sind dann umhangen von Fetischen – grimmig präsentieren sie ihre Macheten… (Bild oben und Titelbild)

Seleka-Barriere

Die Eindringlinge, die Seleka-Rebellen (Bild oben), sind vor allem animistisch-muslimische Nomaden, u.a. Mbororos, welche im Jahr 2013 den damaligen Präsidenten stürzten. Damit provozierten sie eine Gegenreaktion von einheimischen Kämpfern, den Anti-Ballaka.

Diese Rebellengruppen wurden von den Franzosen, der ehemaligen Kolonialmacht, sowie von Uno-Blauhelmsoldaten aus der Hauptstadt und auch aus Bambari, der zweitgrössten Stadt des Landes vertrieben. Sie terrorisieren nun ungehindert das Hinterland der RCA.

Seleka-Kämpfer

Ohne Eingreifen der Franzosen und der Uno wäre 2013 ein Genozid nicht zu vermeiden gewesen. Auch heute ist man wieder soweit – es braucht dringend Hilfe.

Minusca beschützt Flüchtlingslager

Heute beschützen die Uno-Blauhelme vor allem die vielen Flüchtlingslager (Bild oben). Für die Bekämpfung der Warlords und ihren Horden sind sie zu wenige und das Land ist zu weitläufig.

Es ist kaum zu glauben, dass dies alles unter Augen der Weltöffentlichkeit geschieht. Waffenschmuggler beliefern ungehindert die Rebellen von Norden, Süden, Osten und Westen her. Diese Waffen werden mit Blutdiamanten und Raubgold bezahlt. Die Regierung in Bangui wirkt hilflos, sprachlos, tatenlos.

Hoffentlich geht nun ein Ruck durch die Uno und die Classe Politique.

All dies so aus der Ferne mit zu verfolgen ist sehr schwer zu ertragen. Man kennt die Leute, man kennt das Land und nun ist alles ganz anders – einfach nur apokalyptisch.

Only tears!

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